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3. CT Juli 2003
Unser drittes CT vom 11. bis 13. Juli 2003 führte uns wie gehabt ins idyllische Bad Blankenburg. Nachfolgend ein Gruppenfoto (ein Klick darauf führt wie gewohnt zur Fotogalerie) sowie ein absolut objektiver Bericht von Haeris .. äh ich meine Tina :))

CT - 2003 "Blasphemische Erinnerungen" oder "Warum Gothic so gefährlich ist"
by Haeris
Es ist früh morgens, sehr früh morgens und es ist spät, viel zu spät, in wenigen Minuten wird Shi in ihrem niedlichen Ford Fiesta vor meiner Tür erscheinen. Wir schreiben den 11.07., es ist der Morgen des 3. CT's der Weltenstadt. Ein letzter Griff zum Doppelkorn und schon schließt sich die Haustür und mit ihr der Rest der Welt.
Es ist mittags, es ist heiß, unerträglich heiß, selbst die eiskalte Luft aus der Klimaanlage des Fords kann nicht verhindern, dass wir schweißnass am Ende der Welt auf Kizu und Avi warten müssen. Nach nur wenig mehr als 45 Minuten befinden wir uns zu viert auf der letzten Etappe. Der Wagen hat nunmehr das Aussehen eines Kleinlasters und reagiert in etwa so gut wie gar nicht mehr.
Es ist nachmittags, die Terrorgruppe schlägt in Bad Blankenburg auf. Etwas ungelenk und nicht ganz frei von Furcht und Schrecken schleichen jene vier Licht- und Schattenwesen den Pfad zur Jugendherberge hoch, der das Ende aller zivilisierten Gepflogenheiten bedeutet. Während Shi, noch immer durch Freudentränen blinzelnd, über die ach so "grausame" Fahrt herzieht, übt sich mein Gedächtnis im Vergessen, ich habe schließlich lachend überlebt.
Nach dem kurzen Begrüßungsritual mit den schon angekommenen CT'lern bahnen sich erste Gespräche an. So mache ich die Bekanntschaft mit dem (Alp-) Traumduo Lorsti und Ludo. Ihre anfängliche Skepsis, ob meines trügerischen Outfits und meiner Schüchternheit, wich einer regen Begeisterung für meine Ähnlichkeit mit dem noch zu findenden, jungfräulichen Opfer. Als sich das fröhliche Gespräch allmählich immer mehr nach einem Blutbad anhört, in dem ich der Bluter werden soll, mache ich mich auf zu neuen Ufern. Die nächste folgenschwere Begegnung endet mit langen Haaren und einer Enthüllung, begonnen hatte sie aber mit Paracetamol und einem Biersche - ich traf Boretsch. Schnell stellt sich heraus, dass der Leichenwagen fahrende Kriegsdienstverweigerer und der "blutrünstige und schießwütige Cowboy" besser miteinander auskommen als jemals zuvor.
Das erste Zusammentreffen mit Liya ist wie immer Ritual und Zeremonie, Umarmung, Schulterklopfen, Grinsen, Weiterreichen, ebenso fällt die Begrüßung von Mala - auch ein knallharter Kriegstreiber - und Flo - ein Kräuterjunge und Handtaschenträger - aus. Nur wenige Sekunden später wird aus fröhlicher Routine zärtliche Berührungsangst: Liya beginnt zu lächeln, in meine Richtung. Der Lobhudelknuddelei folgen dunkle Wolken am Himmel.
Wie Belzebub aus Höllentoren kommt Nan, das dominante Alphaweibchen, aus dem Dickicht emporgestiegen - im Schlepptau ihre Begleiterin Evil-Dio und drei folgsam drein blickende Zugereiste. Unterwürfig, wie ich nun einmal bin, geselle ich mich zu den Folgsamen, die sich mir als Kalle, Nibrir und Dekar vorstellen. Erst dann traue ich mir eine Annäherung an Nan zu, welche in einer herzlichen Umarmung und einem überbreiten Lächeln gipfelt. Diomaus, ich meine Evil-Dio from Hell, stellte das Schlusslicht und den Höhepunkt der ersten Begrüßungs- und Umarmungswelle dar.
Es ist etwas später. Erste Planungen und Einkäufe zwecks Überlebensrationen werden vollführt und alte Erinnerungen brühwarm wieder aufgetischt, um dort ansetzen zu können, wo man damals aufgehört hatte. Am mittlerweile herbeigeschafften Grill steht Philo - der Mann der zwei Diplome schreibt und trotzdem selbst Höllenwesen eine Heidenangst einjagt mit seinem Fahrstil - und tut sein Bestes um die mittlerweile größer gewordene Meute hungriger Mäuler satt zu kriegen, unglücklicherweise scheitert er, was bereits am Tag darauf zu personellen Konsequenzen führt.
Es ist später Abend und mittlerweile fließt der Tequilla endlich literweise von Orangen begleitet, nachdem die stundenlange Trockenphase bereits mit urbayerischem Gebräu überbrückt werden konnte. Die Mannschaft ist bereits fast vollständig, was mich an den Rand des technisch machbaren treibt, immer wieder entzieht sich der eine oder andere Nick meiner Kenntnis. Der Himmel ist dramatisch dunkel, die wirkliche CT-Zeit ist angebrochen. Man quatscht wo man kann, Grüppchen bilden sich im stillen Einvernehmen und die Stimmen erreichen immer wieder und öfter ein Niveau, welches der gemeine Volksmund auch als "Gröhlen" bezeichnet. Erste Suchterscheinungen lassen sich trotz Alkohol nicht mehr verklären, so können Sethai, Toki, Liya, Morgana und Kizu einfach nicht mehr von ihren Blitzgeräten lassen, auch lässt sich nicht länger verleugnen, dass Bluti dem Lachen verfallen ist, ja selbst der stete Streiter für Boshaftigkeit und Nüchternheit, Trini, gibt sich hemmungslos dem Knuddeln, Betatschen und dem Trinken hin. Am Meisten bestürzt allerdings der Wandel meines Freundes Motti, einst bei Baum- und Pflanzenschändern stets gefürchteter Kämpfer der Natur, wartet er nun immer häufiger mit Gleichgültigkeit und Unverständnis auf, ja er zeigt sogar Furcht. Als sich eine Horde schrecklich anzusehender Menschlinge auf alles Holz und selbst auf noch lebende Pflanzen stürzt, um ein schrecklich sinnloses und ödes Feuer zu entfachen, sieht er regelrecht tatenlos zu.
Die Nacht wird lang. Durchtränkt von Alkohol und spruchrollenreifen Witzen, mal auf Wiesen sitzend, mal im Bungalow bei klammem Kerzenschein frühere Miseren resümierend, ist es ein leichtes immer neue Fettnäpfchen zu finden, in die zu treten unsere heilige Pflicht und Lebensaufgabe zu sein scheint. Schließlich erscheinen auch die letzten CT'ler auf der Bildfläche, Tereswed und Ghikra. Ich kann es mir nicht nehmen lassen, Ters Herkunft schamlos auszunutzen: als Urschweizer ist dieser hochgewachsene und elfisch liebe Kerl meinen schnellen Worten nicht gewachsen, er kann einfach nicht schnell genug sprechen um aus meinem Monolog noch etwas Dialogähnliches zu machen.
Das Ende dieser ersten Nacht besiegelt ein die Blase schwer belastendes Gelächter mit Boretsch, und ein Satz, dessen Wahrheitsgehalt am nächsten Abend auch seine äußerliche Bestätigung erhält: "Hast Dich schon sehr verändert Haeris".
Es ist früh am Morgen des 12.07., als sich meine Augen auftun und ich nach nur wenigen Stunden Schlaf dem Konzert aus Schmatzen und Grunzen meiner Zimmergenossen (Mala, Motti, Trini, Bloody, Boretsch) lauschen darf. Es bewegt sich keiner - und sei es nur um einmal Luft abzulassen - ohne dass es dabei langanhaltend und für jeden im Gebäude hörbar knarrt.
Den Vormittag prägt das 10.00 Uhr Bier mit Boretsch, der grelle Sonnenschein, der Schlafmangel und die damit verbundene gute Laune bei einigen CT'lern - welche zu teils göttlichen Fotos führen dürfte - die Vollzähligkeit des CT's - so begegnet man nun auch Szandor, World Wide Wölfi, Lyn und anderen, die in den nächtlichen Tumulten untergegangen waren.
Für den späten Vormittag ist dann ein sogenanntes LARP geplant, eine Art Mischung aus Verstecken, Fasching und Sadomasochismus. Erstmals zeigen etliche CT'ler ihr wahres Gesicht. So mutiert der zahme Ter zum wild und laut brüllenden Löwen, Lyn outet sich als Langstreckenläufer und trägt zu diesem Zweck Schuhe mit extra großer Knautschzone. Morgana offenbart sich als Apothekerin, was mir endlich die Erklärung liefert, woher sie sich so gut mit Mischungen von gewissen Rauschmitteln auskennt, Flo gesteht sein heimliches Kifferleben, als sein Kräuterwissen zu Tage tritt, Nerion tauscht sein zurückhaltendes Lächeln gegen ein scharfkantiges Schwert, Nibrir, Ludo und Kizu lassen es sich nicht nehmen, ihre Vorliebe für unkonventionelle Todesarten zur Schau zu stellen und auch Schilama zeigt mit einem Mal reges Interesse an scharfkantigen Tötungsinstrumenten. Lediglich Orga bleibt sich von Anfang an treu. In einer drei Tage währenden Dauermeditation, mit bisweiligen, leider kläglich an meiner Unvernunft gescheiterten Bekehrungsunterbrechungen, versucht sie sowohl die LARP - Charaktere als auch die, im völligen Alkoholrausch durchdrehenden, restlichen CT-TeilnehmerInnen vor allzu schlimmem Schaden zu bewahren.
Während jene LARPer also durch die Wälder toben, ziehen Grüppchen aus, Bad Blankenburg-City unsicher zu machen. Evil-Dio, Avi, Trini und Kalle schlagen sich auf eigene Faust und zu Fuß durch, was im Verlaufe des Tages zu einem haltlosen Durcheinander führt. Denn unmittelbar nachdem wir mit zwei Autos motorisiert eingefallen sind und den Netto geplündert haben, entdecken Boretsch und ich im ersten, Malas, Auto sitzend, die Ausreißer am Straßenrand und wenden jeden noch so perfiden Psychotrick an, um Mala zurückzuschicken und die vier abzuholen. Umsonst, wie sich einige Minuten später herausstellt. Philo ist - wie immer - schneller gewesen, wir haben unseren neuen Grillmeister umsonst gequält.
Es ist früher Nachmittag, die LARPende Gemeinschaft ist zurückgekehrt. Und mit ihnen zwei Utensilien, die Boretsch's und meine gemeinsame Vergangenheit aus den Tiefen der Rockgeschichte hervorholen: wir werden zu Rod und Tina. Völlig überwältigt von diesen Ereignissen verflog der Tag, als sei ich im Vollrausch. Gespräche hier, Autogrammstunden da, Schwertkampf dort - das Grinsen bannt sich ins Gesicht, ich vergesse selbst das Essen. Als auch noch der Alkohol- und schließlich gar der Tabakgenuß hinzu kommen, ist alles zu spät. Trotz Stimmbändern die mehr an Drahtseile denn an menschliches Gewebe erinnern stimmen wir gemeinsam mit dem einzig musikalisch begabten Menschen und Freund Motti unsere alte Hymne : "My Bunny is over the ocean" an. Wir läuten den Höhe- und Tiefstpunkt dieses Abends ein - da hilft auch alles Meditieren und Pflanzenbesprechen nichts mehr.
Doch nicht nur Boretsch's und mein Leben sind auf die schiefe Bahn geraten, nein, auch Kalle hat schwer zu kämpfen. Als er den Lakritzwodka wie Wasser trinkt und auch dem restlichen Alkohol im Übermaße frönt, wirkte er für mich zuerst wie Piet Klocke in jungen Jahren, doch später, als meine Sicht klarer wird, fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren. Auch Kalle hat eine stürmische Vergangenheit, nur kann er es nicht so zeigen wie Boretsch und ich es konnten. Als ihm die Brille vom Kopf fällt, da erkenne ich ihn, als das was er wirklich ist: Micki, der Frontmann von " Rimply Sed" (Name leicht verfälscht, aus rechtlichen Gründen) Erst diese Erkenntnis lässt sein zerstörerisches Verhältnis zum Alkohol in einem ganz neuen Licht erstrahlen. Radioboxen zertrümmern, Kleider zerreißen, mit Flaschen und Scherben spielen - das ist das typische Verhalten eines Livemusikers.
Es glätteten sich die Wogen nach und nach und schließlich folgen Evil-Dio und ich den vorausgeeilten Lorsti, Trini, Morgana, Avi, Schilama, Orga, Sethai, Nerion, Flo, Nibrir, Bloody (und andere, die ich aufgrund meiner Alkoholsünden vergessen haben sollte) zum Sturm der Burg. Diesen verpassen wir leider - es gibt viel zu erzählen. Stattdessen werden wir Zeugen und Quasi-Teilnehmer eines Sit-Ins mit Keksen und eigenwilligen Gesängen, die mich permanent schläfrig werden lassen. Dann ist Abgang, Sause, Ende.
Motti, Evil-Dio und ein zwei andere, auch ich, räumen die übrig gebliebenen Reste und den Müll weg, es folgt ein letztes Gespräch mit Motti und schließlich ist die Nacht vorbei. Was folgt sind grausame Trennungsgerüchte, Bühnenabbau, herzzerreißende Tränenbäche und Flucht mit Shis Tourbus. Es bleiben die Erkenntnisse, dass jedes Konzert einmal vorbei ist, eine Tour mehr als ein Konzert beinhaltet, Rosa stets und ständig die Straßen dieser Welt regiert, und ich noch immer das Kennzeichen des Wagens hier stehen habe, der sich nicht daran gehalten hat. *fg*
Mit Tränchen und Lächeln und Grinsen geschrieben (wie immer maßlos übertrieben).
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