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Das Stadtleben
Die Immerlande und die Weltenstadt sind eigenständige, systemunabhängige Spielwelten, an denen fleißige Weltenbauer ständig werkeln und die im Lauf der Zeit gewachsen sind und noch weiter wachsen werden. In erster Linie spielen wir hier natürlich in einer Fantasywelt, die viel Platz für Fantasie und Abenteuer lässt – in einigen Bereichen ist sie jedoch der Kultur des europäischen Mittelalters angelehnt, vor allem was das Bild der Städte, den Alltag, Lebensgewohnheiten, Berufe, Kleidung, Fortbewegungsmittel und den Stand der Technik etc. betrifft.
Wir wollen hier keineswegs detailgetreu das Mittelalter nachspielen und in vielen Bereichen ist das auch gar nicht möglich, aber ein wenig über das Leben zu dieser Zeit Bescheid zu wissen, wird im Spielalltag eine große Hilfe sein. Zu diesem Zweck findet ihr hier einige kleine, knapp gefasste Texte und könnt euch über folgende Themen informieren:
Die Texte sollen keine wissenschaftlichen Abhandlungen über das Mittelalter darstellen, sondern sollen euch nur als Spielhilfe und zur Orientierung dienen, damit ihr euch ein ungefähres Bild von dieser Welt machen könnt.

Die Stadt im Mittelalter
Auf dem Lande gestaltete sich das Leben meist so, daß es Freie und Unfreie gab. Ritter und Adel besaßen Lehen und Güter, in denen Unfreie und Leibeigene arbeiteten, die zumeist wenig Rechte besaßen. In den Städten war dies anders, da dort auch Unfreie "frei" und zu Bürgern werden konnten, wenn sie nur lange genug dort untertauchten. Die Bewohner der mittelalterlichen Städte lassen sich grob in Bürger und Nichtbürger einteilen. Das Bürgerrecht einer Stadt mußte man sich erwerben und einen Bürgereid leisten, daran geknüpft waren verschiedene Bedingungen wie etwa das Leisten von Steuern und Beiträgen, Ableisten von Wehrpflicht, zeitweise mußte man auch ein gewisses Mindestvermögen und Grundbesitz nachweisen oder ein Handwerk meisterlich ausüben können. Als Bürger konnte man die Stadtrechte genießen, hatte aber auch Pflichten zu erfüllen, wie zum Beispiel an den Befestigungsanlagen und Stadtmauern Arbeitsdienst zu leisten, die Stadt im Kriegsfall zu verteidigen, Steuern zu bezahlen etc.
Gegliedert werden kann die Stadtbevölkerung auch in verschiedene soziale Schichten, es gab eine Ober-, eine Mittelschicht und eine breite Unterschicht. Angehörige der Oberschicht waren meist Großkaufleute, Gewandschneider, reiche Grundbesitzer und bestimmte Handwerksmeister. Nur Mitglieder der Oberschicht durften politische Ämter wahrnehmen und in den Stadträten sitzen.
Die Mittelschicht bestand aus den Handwerkern, begüterten Kleinhändlern, Brauern und Fuhrunternehmern, den städtischen Angestellten wie Schreiber oder Advokaten, auch Ärzte, Apotheker, wohlhabende Bauern, Baumeister und Künstler gehörten dazu.
Großen Einfluss in einer Stadt hatten ihre Handwerker, die oft die Hälfte der Stadtbürger stellten. Doch Handwerk war nicht gleich Handwerk, es gab angesehene und weniger angesehene Tätigkeiten. Besonders angesehen waren zum Beispiel die Schmiede, Gold- und Silberschmiede und Kürschner, wogegen Töpfer, Ziegelbrenner oder Leinweber zu den weniger bedeutenden Handwerkern gehörten.
In der breiten Masse der Unterschicht finden wir dagegen einfaches Volk, arme Handwerksmeister, Kleinhändler und all die beruflich unselbständigen Arbeiter wie Handwerksgesellen und Lehrlinge, Hilfsarbeiter, Seeleute, Torwächter, Diener, Mägde und Gesinde.
Und in jeder Stadt gab es auch Randgruppen, die aus Bettlern bestehen, aus Aussätzigen, Dirnen und Spielleuten. Wenig angesehen waren zum Beispiel auch die Berufsgruppen der Schäfer und Hirten, der Müller, Töpfer, Henker, Ziegler und Totengräber.
Schon früh kümmerten sich die Städte um Probleme wie Straßenreinigung, Wasserversorgung, Hygiene, Abfallentsorgung und Brandschutz, sie sorgten dafür, daß die Straßen und Plätze gepflastert wurden, erließen Vorschriften für die Bebauung und das Verwenden von Bauholz etc. So durften in den Stadtkernen die Häuser oft nicht höher als vier Stockwerke gebaut werden, hölzerne Anbauten und Balkone wurden aus Brandschutzgründen verboten, es wurden Normen eingeführt, die den Abstand zwischen den Frischwasserbrunnen und den Abortgruben festlegten und besonders geschützt wurden die umliegenden Wälder und die Flüsse in den Städten. So war es zum Beispiel nur an bestimmten Stellen erlaubt, Wäsche zu waschen oder Gerberlauge in die Flüsse zu kippen, auch Schutt und Unrat durften die Bürger nur an bestimmten Stellen entsorgen, um die Flüsse nicht verlanden zu lassen und somit den Betrieb der großen Mühlen zu stören.
Häuser gab es hauptsächlich in zwei Bauweisen, einmal aus Holz und einmal aus Stein. Die Steinhäuser wurden in der sogenannten Ständerbauweise ausgeführt, es wurde ein massives Holzgerüst errichtet und dann ausgemauert. Noch heute sieht man viele dieser Fachwerkbauten. Die Holzhäuser waren zuerst nur mit Torf, Stroh oder Schilf gedeckt, Schieferplatten und Dachziegel tauchten erst bei den massiven Steinhäusern auf, da die Holzhäuser die schweren Dachstühle und Eindeckungen nicht gehalten hätten. Die Fenster bestanden nur selten aus Glas, das sich nur die Reichen leisten konnten; in den ärmeren Häusern wurden Pergament, dünne Leinwand, gegerbte Tierhäute oder Tierblasen. Fenstervorhänge kannte man im Mittelalter überhaupt nicht.
Die Beleuchtung erfolgte entweder über das Herdfeuer oder Fackeln, zu denen man Kienspäne verwendete, die man mit Werg umwickelte und in flüssigem Harz tränkte. Auch Talglichter und Öllampen waren bekannt. Hängeleuchten, die an der Decke angebracht waren, bedeuteten ein Zeichen von Reichtum und waren in den einfacheren Häusern kaum zu finden. Die Einrichtung der Stadthäuser war recht schlicht und einfach und bestand zumeist aus Holz, man findet dort weder gepolsterte Sessel noch Couchgarnituren oder andere Errungenschaften unserer neumodischen Welt. Einfache Stühle und Bänke als Sitzmöbel waren eher geläufig, auch verwendete man für die Wäsche Truhen und selten Kleiderschränke. Teppiche schmückten zu damaligen Zeiten auch eher die Wände als die Fußböden und tapetenähnlichen Wandschmuck kannte man nur beim Adel.
Befeuert und beheizt wurden die Häuser mit gemauerten Öfen und Feuerstellen, als hauptsächliches Brennmaterial diente Holz und Holzkohle. Auch die Fußböden waren von unterschiedlicher Beschaffenheit. Während in den ärmeren Häusern meistens gestampfter Lehm oder Bretterböden vorherrschten, wurde in den wohlhabenden Häusern auch aus Kalkmörtel gegossener Estrich, Ziegel- oder Tonfliesen verwendet.


Medizin und Gesundheit
Das Mittelalter war geprägt von Krankheiten und verheerenden Seuchen, die ganze Landstriche niederraffen konnten, wie zum Beispiel die gefürchtete Beulenpest oder der Aussatz. Es herrschten ganz andere hygienische Zustände als bei uns heute und zu der Zeit erkannte man gerade mal den Zusammenhang zwischen der Qualität des Trinkwassers und den verschiedenen Krankheiten. Seuchenkranke und Aussätzige wurden von der übrigen Bevölkerung isoliert und in sogenannten Siechkobeln untergebracht, Krankenhäuser und Spitäler gab es kaum und die wenigen vorhandenen waren Einrichtungen von Klöstern und Orden.
Im Mittelalter gab es nur wenige ausgebildete Ärzte. Geheilt wurde meist mit Kräutern, das Wissen darüber war damals immens. Ärzte und Wundheiler waren in verschiedene Berufsgruppen aufgeteilt, so durften zum Beispiel die Bader und Barbiere offene Wunden behandeln, Brüche schienen, Zähne ziehen, schröpfen und zur Ader lassen. Und es gab jede Menge Laienärzte, Apotheker, Starstecher, ja sogar ein Schmied durfte Kranke behandeln oder Zähne ziehen.
Die Wurzeln der Medizin in Europa liegen in Arabien. Die Araber waren in Wissenschaft und Forschung auf diesem Gebiet den Europäern weit voraus und erst im 12. Jahrhundert gelangten erste Aufzeichnung über ihr Wissen nach Europa und fanden dort Verwendung.


Fortschritt und Technik
Die Spielwelt hier orientiert sich an einer Epoche, in der es zumeist noch kein fließendes Wasser gab, Leitungssysteme hatten sich noch nicht durchgesetzt und Frischwasser wurde zumeist aus Brunnen gezogen. Auch gab es keine Toiletten mit Wasserspülung, sondern Fallgruben, die alle paar Jahre aufwendig geräumt werden mussten.
Als Beleuchtung dienten zumeist Herdfeuer, Talg- oder Öllampen, Kienspäne, Pechfackeln und Wachslichter. Feuer wurde mittels Feuerstein und Zunder entfacht. Als Zunder verwendete man getrocknete Rohrkolbensamen oder eine bestimmte Sorte eines Baumpilzes, die getrocknet, dann mit einer ammoniakhaltigen Flüssigkeit wie z. B. Pferdeurin getränkt und anschließend noch einmal getrocknet wurden. Mittels dem scharfkantigen Feuerstein, gegen den Metall oder Stein geschlagen wurde, brachte man den trockenen Zunder zum Glimmen und konnte damit Feuer entzünden.
Als Zeitmesser kamen wenn überhaupt zumeist Sonnen- und Sanduhren zum Einsatz, selten gab es schon Uhren mit Räderwerk, die dann auch nur in großen Kirchen oder als Turmuhren zum Einsatz kamen.
Die Orientierung zu Lande erfolgte mittels Karten, zu Wasser war man auf simple Instrumente wie einfachen Kompass und Astrolabium angewiesen. Meist richtete man sich im Tagesablauf aber nach dem Stand der Sonne oder den Sternen. Reisen erfolgten zu Fuß, seltener zu Pferd und noch seltener in Karossen und Kutschen, die das Transportmittel der Reichen waren.
Aufwendig war die Eisengewinnung aus metallhaltigen Erzen, die in Gruben abgebaut wurden, von Hand bearbeitet und anschließend in großen Öfen ausgeschmolzen und weiterverarbeitet wurden. Die Herstellung guten Schwertstahls, der fest und elastisch zugleich war, bedeutete eine Wissenschaft für sich und das Schmiedehandwerk war eine Kunst.
Zur Arbeitserleichterung wurden so oft es ging mechanische Geräte und Maschinen eingesetzt, wie zum Beispiel Spinnnräder und Webstühle, Blasebalge, Hammerwerke und Walzen oder Buchdruckmaschinen, von einer Industrie war jedoch weit und breit noch nichts zu sehen.


Essen und Trinken
Der Speiseplan der mittelalterlichen Bevölkerung war lange nicht so abwechslungsreich wie in unserer heutigen Zeit, was darauf zurückzuführen ist, daß viele Lebensmittel einfach nicht ganzjährig erhältlich waren und vor allem die Lagerhaltung und Konservierung schwierig war.
Hauptsächlich bestand die Nahrung der Bevölkerung aus Getreide wie Hafer, Roggen, Gerste, Dinkel, Hirse, Emmer und Einkorn, das zu Brot verbacken oder zu Brei verarbeitet wurde. Das helle Brot aus feinvermahlenem Weizenmehl blieb aber oft den Reichen vorbehalten, während die ärmeren Bevölkerungsschichten zumeist Hafer, Gerste und Roggen verwendeten und in Notzeiten das Brot mit allerlei Zutaten streckten. Das dunkle Roggenbrot diente den Reichen oft nur als Unterlage für saftig gebratenes Fleisch und die fetttriefenden Brotscheiben wurden nach der Mahlzeit an die Armen weitergegeben oder weggeworfen.
Gemüse wurde damals eher wenig angebaut, vor allem Rüben, verschiedene Kohlsorten, Lauch, Petersilie, Kopfsalat, Erbsen, Bohnen, Zwiebeln, Rettich und später Kartoffeln und Mais. Gemüse wurde hauptsächlich zu Brei und Mus verkocht, selten gab es frische Salate, wie wir sie heute kennen. An Obst gab es, was der heimische Garten hergab, vorzugsweise Birnen, Pflaumen, Äpfel und Kirschen, wobei im frühen Mittelalter der Obstanbau nur von Mönchen in den Klöstern betrieben wurde. Der landläufigen Meinung nach war Obst ungesund und mußte vor dem Verzehr gründlich gekocht werden, das änderte sich erst gegen Ende des Mittelalters, wo dann auch andere Obst- und Beerensorten Einfluß auf die Ernährung gewannen. Auch Beeren und Pilze, die man im Wald sammeln konnte, bereicherten den Speisezettel, ebenso wie Wildgemüse und Kräuter. Fleisch, Fisch, Geflügel und Wildbret gehörten ebenfalls zur Ernährung, wobei sich die ärmeren Bevölkerungsschichten mit ihrem Schlachtvieh, also hauptsächlich Rindern, Schweinen, Ziegen und Geflügel begnügten, da ihnen die Jagd verboten war. Wogegen die Reichen und der Adel sich oft an den exotischsten Speisen gütlich taten und auch vor Singvögeln, Bibern, Bären und anderem Getier nicht Halt machten.
Salz war wertvoll und exotische Gewürze ebenso kostbar. Als Gewürze verwendete man hauptsächlich, was der heimische Garten hergab, also beispielsweise Pfefferkraut, Petersilie, Kümmel, Dill, Rosmarin, Fenchel, Salbei, Beifuß, Sellerie, Estragon und andere Gewürzkräuter. Wer das nötige Kleingeld besaß, konnte sich auch die kostbaren Gewürze aus dem Orient leisten, die zu horrenden Preisen importiert wurden, so kosteten eine Muskatnuß oder ein Pfund indischer Safran so viel wie ein halbes Dutzend Ochsen. Zucker kannte man dagegen im Mittelalter kaum und es wurden in der Küche kaum Süßstoffe verwendet. Honig war teuer und die Zuckerherstellung aus Rüben noch nicht verbreitet.
Getrunken wurde neben Milch, Obstsaft, Most und Quellwasser hauptsächlich Wein, Met und Bier. Met ist ein Getränk aus vergorenem Honigwasser, das oft mit Salbei und Hopfen oder verschiedenen Gewürzen verfeinert wurde. Bier gab es frühen Mittelalter in allen möglichen Sorten und Brauarten, oft gewürzt und mit allerlei Zutaten verfeinert, bis 1516 das Reinheitsgebot eingeführt wurde und Bier als Zutat nur noch Wasser, Hopfen und Malz enthalten durfte.
Eine besondere Schwierigkeit war zu damaligen Zeiten das Haltbarmachen von Lebensmitteln. Gemüse und Obst wurde meist einfach zu Zeiten der Ernte verzehrt, demzufolge war der Speisezettel im Winter eher kärglich damit bestückt. Haltbar gemacht wurde es durch Eikochen, Einlagern im Keller oder Dörren. Fleisch und Fisch wurden gepökelt, getrocknet oder in Salzlake haltbar gemacht, geschlachtet wurde meist im Spätherbst, um das Vieh nicht über den Winter füttern zu müssen und da die Lagerung im Winter einfacher war.
Da man den Import und den Handel mit Lebensmitteln und vor allem mit Getreide noch nicht in dem Maße kannte, wie es heute bei uns der Fall ist, hing damals viel von den Ernten ab. Jahre mit ungünstigem Wetter, das Missernten nach sich zog, hatten in jedem Fall Hungersnöte zur Folge.
Auch gab es damals nicht die Gastronomie, wie wir sie heute kennen und kaum jemand wäre auf die Idee gekommen, einfach in eine Gaststube zu gehen, um dort etwas zu essen oder zu trinken. Entwickelt haben sich die Gasthöfe und Tavernen zuerst entlang den Reiserouten, später auch in den Städten, wobei zuerst getrennt wurde nach Gasthäusern, die dem Reisenden Unterkunft boten und welchen, in denen man Speis und Trank bekam.


Bücher, Schreibkunst und Bildungswesen
Im frühen Mittelalter vor der Erfindung des Buchdruckes kannte man noch keine gedruckten Bücher wie in unserer heutigen Zeit, jedes Buch wurde aufwendig von Hand geschrieben und kopiert und war entsprechend wertvoll und teuer. Meist besaßen nur Reiche oder Institutionen wir Klöster und Kirchen überhaupt Bücher und der überwiegende Teil der mittelalterlichen Bevölkerung war kaum des Lesens und Schreibens mächtig. Der Buchdruck – zuerst mit festen und dann mit beweglichen Lettern - wurde erst später erfunden und machte Bücher erschwinglicher und Informationen leichter zugänglich und leichter zu verbreiten.
Geschrieben wurde zumeist auf Pergament, später dann auch auf Papier. Pergament besteht aus Tierhäuten - meist von Kälbern, Ziegen und Schafen - die in Kalkwasser eingelegt, dann aufgespannt, abgeschabt und getrocknet werden. Die Pergamentherstellung ist aufwendig und entsprechend kostbar ist auch dieser Schreibuntergrund. Erst mit dem Buchdruck setzte sich auch das Papier durch, das zumeist aus Hadern (Lumpen) und Bast bestand, die in Wasser zu einem Brei zerfasert und zerstampft und dann mit großen, flachen Sieben aus dieser "Bütte" gehoben wurden (Bütten- oder Hadernpapier), um sie abschließend zu leimen und haltbar zu machen.
Das klassische Schreibgerät des Mittelalters war der Gänsekiel mit zugeschnittener Spitze, die auch gehärtet werden konnte, indem man sie in heißen Sand steckte. Solche Errungenschaften wie Minenbleistifte und Tintenpatronen, wie wir sie heute kennen und verwenden, gab es damals noch nicht. Die ersten Zeichenstifte, die in der Malerei und Kunst Verwendung fanden, bestanden aus Silber und Blei, später denn aus dem weichem Graphit.
Als Tinte verwendete man entweder Rußtinte, die aus Ruß, Eiweiß, Ochsengalle und Wasser hergestellt wurde, oder die sogenannte Dornentinte aus der Rinde des Schlehdorns. Die bekannteste Tinte war aber wohl die sogenannte Eisengallustinte, die aus Metallsulfaten und den sogenannten Galläpfeln, den Gelegen der Gallwespen, hergestellt wurde. Als Tintenfass benutzte man entweder Gläser oder auch kleine Rinderhörner.
Zum kunstvollen Verzieren der Bücher oder für die Malerei verwendete man auch feine Pinsel aus Marder-, Eichhörnchen- oder teurem Fehhaar. Auch Farben gab es zu dieser Zeit nicht fertig angemischt und mit Konservierungs- und Lösungsmitteln versehen in Tuben oder Näpfen, wie wir sie heute kennen, sondern auch sie wurden in oft aufwendigen Verfahren hergestellt. So verwendete man zum Beispiel vermahlene Mineralien wie Lapislazuli, Zinnober oder Malachit, auch Erde und Ton wie Ocker und Umbra wurde zu Farbpigmenten verarbeitet, ebenso Pflanzen wie Färberwaid, Petersilie, Krappwurzel, Indigo und Safran. Die Pigmente wurden mit Eiweiß oder Gummiarabicum als Bindemittel angerührt und mit Wasser verdünnt. Die Herstellung von Farben war eine komplizierte Angelegenheit und eine Wissenschaft für sich, ein Kunstmaler oder Buchmaler stellte seine Farben zumeist selbst her, da es sie kaum fertig zu kaufen gab.
Auch gab es im Mittelalter kein Bildungswesen, wie wir es heute kennen und in dem es selbstverständlich ist, daß man Lesen, Schreiben und Rechnen kann. Der Großteil der Bevölkerung war dessen nicht mächtig, so etwas wie richtige Schulen gab es auch noch nicht. Die Kinder des Adels wurden meist in Klöstern oder in der elterlichen Burg erzogen und unterrichtet und es gab nur wenige, die an Universitäten studieren konnten.


Farben und Stoffe
Die üblichen Bekleidungsstoffe im Mittelalter wurden gewöhnlich aus einheimischen Pflanzenfasern und Tierhaaren hergestellt, da Stoffe wie Seide und Baumwolle wegen der langen Transportwege oft ein Vermögen kosteten. Meist wurden Stoffe aus Leinen und Hanf hergestellt, deren Fasern bearbeitet, zu Fäden versponnen und dann verwebt wurden. Auch Schafwolle wurde verwendet, entweder als Schurwolle vom lebenden Schaf oder als Sterblings- oder Gerberwolle. Sie wurde zu feinem Tuch versponnen, zu dem dickeren, wasserfesten Loden oder zu Filz verarbeitet. Wertvoller Rohstoff für Bekleidung war auch die edle Wolle von Lämmern und Merinoschafen.
Echte Seide war wohl der kostbarste Stoff zu dieser Zeit und ihre Herstellung war aufwendig und teuer, so daß sich nur die reichsten sich den edlen Stoff leisten konnten. Verwendet wurden dazu die Kokons der Seidenraupe, die eingesammelt wurden, anschließend wurde der Seidenleim in Wasser gelöst und die Kokons zu hauchfeinen, mehrere tausend Meter lange Fäden aufgehaspelt, versponnen und verwebt (Haspelseide).
Durch verschiedene Webarten wurden die gesponnen Fasern verarbeitet und bekamen ihr typisches Aussehen, so gab es zum Beispiel den kostbaren Damast, der eingewebte Muster aufwies; prunkvollen Brokat mit eingewebten Gold- und Silberfäden oder Samt mit seinem weichen Flor. Derlei kostbare Stoffe waren jedoch den Reichen vorbehalten, die gewöhnliche Bevölkerung trug zumeist einfache Kleidung aus Hanf oder Leinen (Flachs).
Gefärbt wurden die Stoffe zumeist mit Pflanzenfarbstoffen. So wurden in der mittelalterlichen Kleidung Braun- und Grautöne die Farbe des einfachen Volkes, da die Färbemittel dazu preiswert zu erhalten und überall in der Natur vorkamen, wie zum Beispiel Baumrinde, Nuss- und Zwiebelschalen.
Andere Farbstoffe dagegen waren weitaus schwerer zu erlangen, beispielsweise das kostbare Purpur, das zu einem Statussymbol der Reichen und Mächtigen wurde. Echter Purpur wurde aus dem Farbstoff der Purpurschnecke gewonnen und zur Herstellung von eineinhalb Gramm Purpurfarbstoff wurden an die 12.000 Schnecken benötigt. Fast ebenso kostbar war roter Farbstoff aus Läusen, das sogenannte Cochenille-Rot. Doch es gab auch preiswertere rote Farbstoffe, so färbte die Landbevölkerung oft die versponnenen Fäden mit dem Farbstoff der Krappwurzel, dem sogenannten Krapplack.
Für Blautöne wurde oft Färberwaid verwendet, ein einheimischer Kreuzblütler und aus dem Färbevorgang entstand der Berufszweig der Blaufärber. Für den Farbstoff wurde ein Gemisch aus Färberwaid und Urin angesetzt, das zu gären begann, Alkohol freisetzte und dabei den Farbstoff im Waid anlöste. Blau wurde er jedoch erst durch die Reaktion mit Sonnenlicht, so wurden die gefärbten Stoffbahnen am letzten Tag in die Sonne gelegt, um den Blauton zu erreichen. Man fand mit der Zeit heraus, daß die Menge des Alkohols in dem Färbebrei entscheidend für die Farbton und den Ertrag war. Da es aber zu teuer gewesen wäre, reinen Alkohol zuzusetzen, hatten die Blaufärber oft nichts anderes zu tun, als sich eine ausreichende Menge Alkohol zuzufügen, in das Färbebad zu urinieren und am letzten Tag des Färbevorgangs betrunken mit dem gefärbten Stoff in der Sonne zu liegen.

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