Das Larisgrün

    • Offizieller Beitrag

    Das Larisgrün ist ein Wald voller geheimnisvoller, grüner Tiefen, borkeumkleideten, bemoosten Riesen von gewaltigen Ausmaßen und silbrig schäumenden Wildbächen. Die Kronen der riesigen Bäume, deren Äste ineinandergreifen und sich so selbst zu einem natürlichen Baldachin vernetzen, bilden ein dichtes Dach und oft umranken weißblühende Lianen ihre Stämme. Das Licht der Sonne ist hier im Schatten des Larisgrüns nur ein saphirgrünes Dämmer, ab und an unterbrochen von einem vereinzelten Strahl, der durch das Dach der Bäume fällt und Inseln aus Sonnenlicht ins samtweiche Gras des Waldbodens zaubert.


    Die Randgebiete des Waldes sind licht, immer wieder unterbrochen von Waldweiden, Lichtungen, Gehöften oder Katen - dringt man jedoch tiefer in ihn ein so wird er düster und bedrohlich und bei Nacht sollte man sich nicht ohne Schutz hineinwagen. Dieser riesige uralte Wald erstreckt sich von den Sonnenhügeln im Norden bis an den Heideweg im Süden über den gesamten Westen der Herzlande und ist somit nach dem Dunkelwald das größte zusammenhängenden Waldgebiet der ganzen Immerlande. Das Larisgrün ist ein dichter Mischwald und reich an Unterholz, in dem zahlreiche Arten von Farnen und Moosen wachsen. Auch eine Vielzahl von essbaren oder giftigen Pilzen, Heilkräutern und anderen nützlichen Pflanzen finden sich hier allerorts.


    Im nördlichen Larisgrün und rund um Talyra bestimmen hauptsächlich Buchen, Eichen, Fichten, Kiefern, vereinzelt Tannen, Kastanien, Ulmen, Linden, Herzbäume und Kletterpflanzen wie Efeu und wilder Hopfen das Bild des Waldes. Hohe Rotholzbäume, nicht so hoch wie die Giganten der Ostwälder, aber immer noch mächtige, imposante Riesen, werfen ihren Schatten über singende Bäche und moosigen Grund. Im Süden des Larisgrüns dagegen, wo der Boden sandiger und trockener wird, findet man hauptsächlich Lärchenpinien, Goldbirken, Lebenseichen und Akazien.


    Viele Legenden ranken sich um den Wald und seine verschlungenen Pfade, und munkeln von den Geheimnissen seiner schattenstillen Tiefen. Wundersame Orte sollen sich im Larisgrün befinden, uralte Tropfsteinhöhlen voll glitzernder Pracht, geheime Sümpfe, lange vergessene Ruinen oder heilige Stätten der Ersten Menschen, die vor Tausenden von Jahren hier lebten. Nur im Larisgrün findet man so tief im Süden noch Blutbäume, jene heiligen Bäume alter Zeit mit ihrer milchweißen Borke und den rostroten Blättern in den mächtigen Kronen. Vereinzelt leuchtet ihr fahles Weiß durch die Reihen der anderen Baumstämme, niemals stehen mehr als drei beieinander außer auf dem hohen Nar'Sarnis, einem heiligen Ort. Bekannte "Persönlichkeiten" des nördlichen Larisgrüns rund um Talyra sind Grymauch Einauge, ein uralter, notorisch schlecht gelaunter Höhlenbär, dem man, ist man nicht gerade Waldläufer, nicht zu nahetreten sollte und Parsel, eine alte und sehr scheue Schattenkatze, von der niemand weiß, was sie einst ins Larisgrün verschlagen hat, da Schattenkatzen eigentlich nur im Nachtwald vorkommen. Die größten Raubtiere des Waldes sind Bären und Wölfe, doch Überfälle auf Reisende oder Menschen sind, ausgenommen in sehr strengen Wintern, selten und auch die Bauern haben kaum Verluste an Vieh zu beklagen, denn das Larisgrün ist reich an Beutetieren wie Rothirschen, Rehen, Wildschweinen und Niederwild.


    Eigenes Jagdrecht hat jedoch – außer zu besonderen Anlässen - nur, wer direkt im und vom Wald lebt, wie etwa die Wandler, die niemals mehr von der Natur nehmen würden, als sie unbedingt brauchen, der talyrische Adel auf seinen eigenen Ländereien und einige Großgrundbesitzer... doch auch sie müssen sich an die Schonzeiten halten. Protektorin des Larisgrüns ist Niniane, die Halbelbin, doch es gibt viele Waldläufer und Späher oder Jäger im Dienst der Steinfaust, die ein wachsames Auge auf das Geschehen rund um Talyra haben und für den Schutz des Waldes und seiner Bewohner sorgen. Mit ihnen ist nicht zu spaßen, wenn es um das Wohl des Larisgrüns geht und besonders Wilderer und Fallensteller sollten sich vor ihnen in Acht nehmen, denn die Strafen für diese Vergehen sind hart.



    SC:

    Niniane aus dem Haus Relavendis

    halbelbische Jägerin und Protektorin des Nördlichen Larisgrüns. Niniane lebt mit ihrer Familie im Baum am Smaragdstrand nördlich von Talyra.


    NSC:

    Findinmir Daumengrün

    ein alter und reichlich verschusselt daherkommender Druide, der ständig alles und jeden durcheinanderbringt, eine schwatzhafte Ader hat, sich an die wichtigsten Sachen jedoch nie erinnern kann (oder will), und allgemein einen recht vertrottelten Eindruck zu machen pflegt. Der ist natürlich nichts als Tarnung. In Wahrheit ist Findinmir ein äußerst gerissener Mann und ein mächtiger Erzdruide, mit dem man es sich auf gar keinen Fall verscherzen sollte.

    Me? I'm dishonest, and a dishonest man you can always trust to be dishonest. Honestly. It's the honest ones you want to watch out for, because you can never predict when they're going to do something incredibly... stupid.
    Captain Jack Sparrow

  • “Every act of creation is first an act of destruction.”

    — Pablo Picasso



    Im Silberweiß 526


    Es ist Mittag, doch die Sonne steht tief und blass zwischen den kahlen Ästen und wirft fahles Licht auf den Waldboden. Die Maus liegt reglos auf dem flachen Stein. Ihr Fell ist noch warm, das Herz erst seit wenigen Augenblicken stehen geblieben. Kaya hat sie nicht getötet – sie hat sie so gefunden, unter der Wurzel des alten Baumes, das Genick gebrochen, vermutlich von einem Raubvogel fallen gelassen.

    Kaya kniet davor, in dicker Wolltunika und Lederhose, darüber der abgetragene Mantel. Der Boden ist hart vom Winter, aber nicht gefroren. Feuchte Kälte hängt in der Luft, kriecht unter Stoff und Leder. Ihr Atem zieht in dünnen Schleiern davon. Die Finger sind trotz der Handschuhe kalt, als sie sie abstreift und neben sich legt. Sie legt die Hände auf die Oberschenkel und atmet langsam aus.

    Der Wald ist still. Zu still. Selbst die Vögel scheinen den Atem anzuhalten. Kaya zieht den Beutel mit den Kreiden hervor und beginnt, einen kleinen Kreis auf den Stein zu zeichnen. Nicht groß. Nicht kompliziert. Nur ein schlichter Bannkreis. Nichts, was Aufmerksamkeit erregen sollte. Sie hat das schon oft getan. Für Geister. Zur Meditation. Zum Aufspüren von etwas, das noch nicht ganz fort war.

    Doch das hier ist… anders.

    Sie hält kurz inne, betrachtet die kleine Gestalt auf dem Stein. In ihrem Kopf tauchen bruchstückhaft Seiten aus dem Buch auf, durch das sie sich momentan arbeitet. Schâlik hat es ihr beschafft – abgegriffene Ränder, handschriftliche Notizen, Skizzen, Runen, die sie noch nicht ganz verstanden hat. Es geht um Übergänge zwischen den Welten. Um Bindungen. Um das Zurückholen von etwas, das eigentlich gehen sollte.

    Kaya versucht sich zu erinnern, während ihr Blick über den Boden wandert, als könnten die Zeichen dort von selbst auftauchen, wenn sie nur lange genug hinsieht. Schließlich entscheidet sie sich für vertraute Zeichen – und für solche, die sie noch nicht ganz versteht. Sie legt die Maus in die Mitte.

    „Es ist nur ein Versuch“, murmelt sie, mehr zu sich selbst als zu irgendwem sonst. Sie erhält keine direkte Antwort. Aber sie spürt etwas. Ein leises Ziehen in ihrem Inneren. Als würde etwas in ihr aufhorchen.

    Kaya schließt kurz die Augen. Atmet ein. Atmet aus. Dann ritzt sie sich mit der Klinge ihres Dolches ganz leicht in den Daumen. Ein Tropfen Blut fällt auf das Fell der Maus und versickert darin. Kaya hält ihre Hand über das tote Tier und schließt die Augen. Ihr Lippen bewegen sich kaum als sie murmelt:

    „Zwischen Atem und Erde. Zwischen Wärme und Kälte. Wenn noch etwas da ist… komm zurück.“ Nichts geschieht. Kaya öffnet die Augen und runzelt die Stirn. Sie zieht ihre Hand etwas zurück.

    „Zu wenig?“, flüstert sie. Und in diesem Moment ist da diese Stimme in ihrem Kopf. Nicht laut. Nicht befehlend. Eher… neugierig.

    ›Du suchst an der falschen Stelle.‹

    Kaya zuckt zusammen. Nicht erschrocken – eher überrascht.

    „Ich habe dich nicht um deine Meinung gebeten“, murmelt sie.

    ›Ich weiß.‹ Die Stimme verstummt für einen Moment. Kaya glaubt schon, sie würde sich heraushalten, da setzt die Stimme dennoch fort: Du versuchst, Leben zurückzuholen. Aber Leben ist nicht das, was fehlt. Noch nicht.‹

    Kaya schluckt. Eigentlich will sie sich gar nicht auf dieses Gespräch einlassen. Doch ihre Neugierde siegt nach einem kurzen Zögern. „Dann was?“

    Die Stimme scheint für einen Moment abzuwägen, während sie antwortet.

    ›Erinnerung. Bewegung. Der Körper weiß noch, was er war. Sogar etwas Wärme ist noch da. Du musst ihm nur erlauben, es zu erinnern.‹

    Kaya atmet tief durch.

    „Das ist… falsch.“

    ›Vielleicht.‹ Die Stimme klingt amüsiert. ›Aber du hast es begonnen und willst trotzdem wissen, ob es funktioniert.‹ Kaya presst die Lippen aufeinander. Dann legt sie wieder ihre Handfläche über den kleinen Körper. Nicht drückend. Nicht zwingend. Als würde sie durch ihre Hand lauschen.

    Zunächst spürt sie… nichts. Dann ein Flackern, wie ein Echo von etwas, das vor Kurzem noch gewesen ist. Ihr Atem stockt. Kaya konzentriert sich. Nicht auf den Körper. Nicht auf das Blut. Sondern auf das, was fehlt: Bewegung. Die Bewegung im Inneren des Körpers, das Zucken von Muskeln, das Schlagen eines Herzens, das Bewegen von Gliedmaßen. Ein Ruck geht durch sie, als würde jemand in ihrem Inneren einen Schritt nach vorn machen – nicht gewaltsam, nicht drängend. Nur präsent.

    Ihre Finger werden warm. Die Runen ihres Bannkreises um den Mäusekörper glimmen schwach auf. Ein Zucken. Noch eins. Kaya reißt die Augen auf. Die Maus bewegt sich. Nicht viel. Kein Wunder. Kein Leben. Aber ein Atemzug. Flach. Rasselnd. Kaya zieht scharf die Luft ein, als sie es erkennt.

    „Nein…“

    Doch es ist zu spät. Das kleine Wesen windet sich, die Pfoten schlagen einmal ins Leere, dann noch einmal. Ein fiependes Geräusch entweicht ihm, kaum hörbar. Und dann… nichts. Stille. Der Körper erschlafft endgültig.

    Kaya zieht die Hand zurück, als hätte sie sich verbrannt. Ihr Herz hämmert.

    „Das… wollte ich nicht“, flüstert sie heiser.

    ›Doch.‹ Die Stimme ist ruhig. Sachlich. ›Du wolltest wissen, ob du es kannst.‹

    Sie starrt auf das reglose Tier. „Es hat gelitten.“

    ›Ja.‹

    Kaya schließt die Augen. Ein Moment vergeht. „Mach das nie wieder“, zischt sie schließlich und meint damit nicht nur sich selbst, sondern auch die Stimme in ihrem Kopf. Sie hat es gespürt. Kein Drängen. Kein Übernehmen. Es war mehr wie ein… Schubs. Sie spürt das Grinsen in ihrem Kopf, als könne sie es deutlich vor ihren Augen sehen.

    ›Du wirst mich schon von selbst darum bitten.‹

    Stille. Der Wald kehrt langsam zurück. Vögel rufen. Blätter rascheln. Kaya sitzt lange da, den Blick auf die tote Maus gerichtet. Sie weiß nicht, was sie mehr erschüttert: Dass es beinahe funktioniert hat. Oder dass ein Teil von ihr es wieder versuchen will.

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