Bäckerei Gerdenwald

  • Eine der schönen Häuserecken in einer der zahlreichen, schmalen Straßen des Mühlenviertels und unweit einer der großen Hauptstraßen, die direkt zum großen Markt der Stadt führen, beherbergt seit 515 die kleine Bäckerei Gerdenwald. Einige Monde lang stand das Gebäude der im ganzen Viertel bekannten Bäckerei seit dem Tod seines ehemaligen Besitzers leer. Die Witwe des anerkannten Bäckers Gylsten verkaufte diese im Nebelmond 514 schließlich an den jungen Bäckermeister Aneirin Gerdenwald, der sich des Betriebes annahm und ihn wieder auf die Beine stellte, um an die einstmals erfolgreichen Zeiten der alten Bäckerei anzuknüpfen. Die Bäckerei Gerdenwald ist eine grobe Weiß- und Schwarzbäckerei, in der in erster Linie Brote und Brötchen gebacken werden. Nur ab und an findet man hier feine Hefebackwaren wie Hefezöpfe oder Stuten.



    Das Backhaus


    Bei dem Gebäude, das die kleine Bäckerei beherbergt, handelt es sich um ein altes, aber gut instand gehaltenes, zweigeschossiges Fachwerkhaus mit einem aus roten Schindeln gedeckten Spitzdach, von denen viele durch Wind, Wetter und Zeit bereits gezeichnet sind und eine deutlich dunklere Färbung und manchmal einige fast schwarze Flecken tragen. Dazwischen finden sich auch ab und an aber deutlich hellere, da neue Schindeln alte ersetzten, das Dach dicht und den Innenraum weiterhin trocken zu halten.

    Das oberste und kleinste Fenster des spärlichen Dachgeschosses, das zur Straße hin zeigt, weist an seinen Seiten keine Läden auf, mit denen man das wenige durch das blasige Glas schummrig ins niedrige Dachzimmer einfallende Licht abblenden könnte. Die Dachkammer selbst, zu der hinauf eine sehr steile Holztreppe von dem sich darunter befindenden Geschoss führt, ist überaus schlicht, aber sauber. Nur ganz oben unter dem Dachgebälk, hat sich eine Spinne eingenistet, von den dort arbeitenden Menschen liebevoll Johnny getauft, die unermüdlich ihre weggefegten Netze wieder und wieder neu gesponnen hat, bis man es schließlich aufgab und den kleinen Untermieter gewähren ließ. Bis auf eine mit Heu gefüllte Matratze samt Kissen und einer Decke, die ab und an für Ruhephasen genutzt werden, ist die winzige Dachkammer leer.

    Die drei Fenster des ersten Stockwerkes darunter, eines an der Frontseite und zwei weitere an der benachbarten Häuserseite, die an der zweiten schmal zulaufenden Straße des Häuserecks liegt, sind deutlich größer als das Dachgeschossfenster und werden auf beiden Seiten von Läden aus schönem, rötlichen Lärchenholz umrahmt. Das Geschoss dient in erster Linie als Vorratsraum für haltbare Zutaten, wie beispielsweise ganz und gemahlene Nüsse und Honigtiegel die in stabilen Holzregalen und verschieden großen Holzkisten ruhen, weswegen zumindest die beiden Fensterläden an der langen Häuserseite in der Regel geschlossen sind, um nicht allzu viel Licht und Wärme hineinzulassen. Außerdem dient der Raum als Abstellplatz für nicht regelmäßig genutztes Arbeitsmaterial, beispielsweise Ersatz-Brotschaufeln, Rattankörbe, Gärkörbe aus Stroh oder Holzschliff, Schüsseln und Krüge und stapelweise sauber gebleichte Leinentücher. Eine steile Holztreppe führt aus der Backstube im Erdgeschoss hier herauf und noch deutlich steilere Stufen hinauf in die Dachkammer.

    Oben an der Außenfassade zwischen dem Erdgeschoss und erstem Stockwerk, genau an der spitzen Häuserecke, ragt eine dunkle Eisenstange hinaus auf die Straße, die von weiterem dünnen, sich spiralig schnörkelig windendem Eisen verziert ist. An ihrem Ende prangt an zwei kurzen Eisenkettchen eine Brezel aus wetterfestem, starkem Holz, die von beiden aufeinander zulaufenden Straßen schon aus weiter Entfernung gesehen werden kann und den Vorbeigehenden den Standort der Bäckerei mitteilt.


    Der Eingang zur Bäckerei wird geschützt durch eine aus beständigen Eichenholz-Latten gezimmerte, ganz einfache Eingangstür in einem Rahmen aus dem gleichen Eichenholz. In den warmen Jahreszeiten steht diese stets einladend nach innen und zur rechten Seite hin offen, um für die intensive Wärme der Backstube raus und frische Frühlings- oder Sommerluft hinein zu lassen. In der kalten Jahreszeit geschlossen, hält sie die dann willkommene Wärme größtenteils im Inneren der Bäckerei.

    Tritt man durch die aus Eichenholz gezimmerte Eingangstür, findet man sich sogleich in dem einzigen Raum des Erdgeschosses, der Backstube, wieder. In der Wärme, die einem sofort beim Betreten der Bäckerei entgegen schlägt, wird stets der Geruch von frisch gebackenen Broten und Brötchen mitgetragen. Nur wenige Besucher, die eintreten, können dem widerstehen und nur die wenigsten verlassen die Backstube, ohne nicht zumindest ein Brötchen in der Hand zu halten. Neben Hefe riecht es außerdem von Tag zu Tag verschieden nach Nüssen, Rosinen, Honig, Zwiebeln und diversem Korn. Feine Nasen können auch ab und an den Geruch von aufgehendem Sauerteig und des geschürten Holzfeuers im Ofen ausmachen. Tritt man am Abend ein, duftet es wahrscheinlich schon nach Seifenlauge vom Wischen der Böden und Schrubben der Tische und Knettröge.

    Insgesamt drei Fenster aus schönem, klarem Glas, ein kleines direkt links neben der Eingangstür und zwei weitere an der Längsseite des Hauses, lassen das Sonnenlicht in die Backstube dringen. Der Boden der gesamten Stube ist mit fliesenartigen, aber in ihrer natürlichen Form belassenen Steinen bedeckt. Während der vordere Bereich stets sauber gefegt ist, findet man im hinteren Bereich, besonders an den Knetwannen immer wieder eine Staubschicht feinsten Mehles. Es wird sich aber darum bemüht, diese nach getaner Arbeit unverzüglich zusammen zu fegen.


    Nur einen guten Schritt von der Türe aus benötigt man, um an den Verkaufstresen der Bäckerei heranzutreten, dem einzigen Element, das zugleich auch der Raumaufteilung dient. Die schöne alte Holztheke ist mit einfachen, aber hübsch anzusehenden, geschwungenen Schnitzereien verziert, die an die Form von Brezeln erinnern. Linkerhand knickt die Theke nach etwa eineinhalb Schritt in einem rechten Winkel ab bis sie auf die Wand der Häuserfront trifft. Hinter diesem Stück Tresen ist bis zur Längswand ebenfalls ein guter Schritt Platz, um sich zu bewegen. An der Wand selbst sind Regalbretter angebracht, um Brote und andere Backwaren den Kunden zu präsentieren. Auf der Theke stehen in der Regel drei runde, aus Rattan geflochtene Körbe mit ofenfrischen Brötchen. Der Tresen lässt rechterhand einen etwa einen Schritt breiten Durchgang, durch den man in den dahinter gelegenen Bereich gelangt, in dem es mit seinen vielen Utensilien, Knettrog und Arbeitsflächen recht beengt wirkt. An der linken Wand, etwa einen Schritt von der Theke entfernt, steht ein kleiner Tisch umrahmt von vier schlichten Stühlen.

    Im hinteren linken Teil der Backstube führt eine steile Holztreppe ins darüber liegende Geschoss, das als Vorrats- und Lagerraum genutzt wird. Unter dieser Holztreppe ruhen ordentlich gestapelt die Buchenscheite, die als Feuerholz zum Beschicken und Nachfeuern des Holzofens dienen. Der Ofen an der kurzen Wandseite der Bäckerei ist aus Schamottensteinen gemauert. Da die Schamottenschicht gut durchgeheizt werden muss und auch über mehrere Tage nicht auskühlen darf, wird die Backstube recht schnell, stark und dauerhaft erwärmt, so dass die Arbeit in der Regel schweißtreibend ist. An der Raumdecke direkt vor dem Ofen sind horizontal zwei Eisenstangen angebracht, auf denen eine große und eine kleine Brotschaufel ruhen. Direkt neben dem Ofen führt eine ebenfalls aus Eichenholzlatten gezimmerte Hintertür hinaus auf den kleinen Hof.

    In der Mitte des Raumes steht ein großer, hölzerner Knettrog für die Teigherstellung, der ebenfalls zwei kleinere Knetwannen aus Holz dienen, die bei Bedarf an beliebiger Stelle aufgestellt werden können. Daneben befindet sich ein standfest aufgebockter, gespaltener Baumstamm, auf dem der fertige Teig geknetet, unter Umständen gerollt, und in Form gebracht oder portiert wird. Für ähnliche Arbeiten, die weniger Kraftanstrengung benötigen, steht eine lange Arbeitsplatte entlang der rechten Wand zur Verfügung. Auf dieser steht auch eine metallene Balkenwaage, zum Abwiegen der Zutaten. Über der langen Arbeitsfläche sind an der Wand einige Regale angebracht, auf denen eine Menge Gärkörbe aus Stroh oder Holzschliff in verschiedenen Größen und Formen stehen sowie Schüsseln, Becher, Krüge, Leinentücher und zwei Handmühlen. An einer an der Wand befestigten Latte hängen an Haken diverse Löffel, Schöpfkellen, Schaber und Pinsel.


    Durch die Eichenholztür neben dem Steinofen gelangt man auf den kleinen, etwa vier Schritt breiten Hinterhof, der sich in seiner Länge rechterhand auch bis hinter das Wohnhaus und daran entlang zieht. Umrahmt wird der Hof von dem kleinen Anbau des Wohnhauses, der früher als Gesindehaus diente und bei dem es sich nun um das Wohnhaus der Witwe Gylsten handelt. Seine Längsseite wird durch die weißen Häuserwände zweier Nachbargebäude getrennt und linkerhand zur Straße hin von einem schmiedeeisernen Tor zwischen den Gebäuden. Der Hof selbst ist mit ebenfalls von ihrer Form her naturbelassenen Steinen gepflastert, zwischen denen sich hartnäckig Gras und Moos festgesetzt haben, was dem Hof die Kühle nimmt und ansprechend anzuschauen ist. Auf dem Hofstück direkt hinter der Bäckerei, nur zwei Schritte von der Hintertür entfernt, findet sich ein kleiner, etwa zwei Schritt langer wie breiter Schuppen im Fachwerkstil samt Spitzdach, der beinahe aussieht wie eine Miniaturausgabe des Bäckereigebäudes. Darin finden sich Putzutensilien, Gartengeräte und Kram, der sonst nirgends wirklich gebraucht wird. Neben dem Schuppen steht ein länglicher Tisch mit einer Bank und zwei Stühlen aus wetterbeständigem Holz. Nur ein kleines Stück weiter zieht sich entlang der Hauswand des Nachbargebäudes ein Blumen- und Gemüsebeet, ehe der Anbau den Hof abschließt.



    Das Wohnhaus


    Gleich linkerhand an die Bäckerei schmiegt sich ein Fachwerkhaus, das bisher stets von dem Eigentümer der Bäckerei bewohnt wurde und wird. Über den Hof der Bäckerei sind die beiden Gebäude miteinander über Hintertüren verbunden.


    [Beschreibung folgt…]





    Anzutreffende Charaktere


    Spielercharaktere (SC):


    Aneirin Gerdenwald (geb. Grünglanz 487)

    Er ist etwa 1,85 Schritt groß und von inzwischen muskulöserer Statur. Seine Haut ist eher hell und die Augen sind von einem stechenden Smaragdgrün. Das blonde, gut schulterlange Haar trägt er während der Arbeit in der Bäckerei meist zu einem geflochtenen Zopf zusammengebunden.

  • Blätterfall 521



    Der Weg durch die Straßen der Stadt hat etwas Gespenstisches an sich. Selbst denjenigen, die das rege und bunte Treiben in den Straßen Talyras, das hier vor dem Einzug der Seuche herrschte, nicht kennen, muss einfach auffallen, dass auf den Straßen nur wenige Menschen und sonstige Völker unterwegs sind. Und von denen, die unterwegs sind, ist gefühlt jeder zweite entweder ein Blaumantel der Patrouillen, die noch immer in regelmäßigen Abständen durch die Straßen marschieren, um beispielsweise größere Menschenansammlungen aufzulösen und allgemein die Bevölkerung daran zu erinnern, Abstand zu halten und Mund wie Nasen mit Schals oder Seuchenmasken zu bedecken. Oder es sind viel zu oft erschöpft wirkende Heiler, Anirani und Priester jeden Ranges, die durch die Straßen ziehen, um Erkrankte zu versorgen oder Seelsorge denen zu schenken, die geliebte Menschen an die Rote Seuche verloren haben – neben all den anderen Krankheiten und Gründen, die der Roten Seuche ja nicht gewichen sind.


    Vor einer ehemaligen Töpferei im Handwerkerviertel verweilt er einen Augenblick und besieht sich die mit Brettern vernagelten Fenster und die versperrte Tür. Nur eines von vielen Geschäften, das aufgegeben werden musste, sei es aus finanziellen Gründen oder weil der oder die Eigentümer verstorben sind. Nicht selten hat die Seuche es geschafft ganze Familien auszulöschen. Aneirin kontrolliert schon fast routiniert den Sitz des Schals, der ihm Mund und Nase bedeckt, während er versucht das mulmige Gefühl zu verdrängen, das ihn überkommt, wenn er daran denkt, dass ohne Falk die Bäckerei vermutlich dasselbe Schicksal ereilt hätte. Und den Göttern sei Dank hat sein Lehrling die Seuche heil überstanden. Was wohl aus all den anderen geworden ist, von denen er in den letzten Monden und Jahren nichts gehört hat?


    Als Aneirin das Mühlenviertel erreicht sind seine Schritte schon recht träge und die Erschöpfung kriecht samt Kälte durch seine Knochen. Wäre er mit Arúen und ihren Kindern durch das Gewirr gegangen, hätte er sich die Hälfte des Weges sicher gespart. Doch die Erfahrung seiner ersten und bisher einzigen Reise durch das Gewirr möchte er freiwillig so schnell nicht noch einmal machen, auch wenn die Übelkeit und Orientierungslosigkeit womöglich mit seiner damaligen Schädelverletzung zu tun hatten. Unwillkürlich reibt er sich den Hinterkopf und zieht im nächsten Moment das Haarband etwas enger, das seine Haare zu einem Zopf zusammenhält. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, die vertrauten Wege zu gehen und sich doch nicht sicher zu sein, wie viel noch von dem ist, das mal gewesen ist.


    Kaum dass er um die letzte Häuserecke gebogen ist, atmet Aneirin erleichtert aus, als er die Bäckerei erblickt und sie auch tatsächlich noch so aussieht, wie er sie verlassen hat. Drinnen ist es zwar dunkel, doch schließlich hat Falk auch schon längst Feierabend gemacht. Ein müdes Lächeln umspielt seine Lippen wie er so vor dem Eingang der Bäckerei verharrt und seine Gedanken in vergangene Zeiten abschweifen. Er steht tief in Falks Schuld. Dass er ihm die Bäckerei erhalten hat, wird er ihm nie vergessen.


    Aneirin löst den Blick von dem Gebäude und geht noch ein paar Schritte rechterhand weiter zu seinem Wohnhaus gleich daneben. Er hatte seinem Lehrling angeboten, ihm das Haus zu überlassen, solange er fort ist, doch Falk hatte abgelehnt, ja, sich fast mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Ob er befürchtete, ich würde nicht zurückehren, wenn er es annehmen würde? Der Gedanke war Aneirin bisher gar nicht gekommen. Doch rückblickend macht es durchaus Sinn. Auch, dass er seine Meisterprüfung noch nicht ablegen wollte. So viel Vertrauen hast du in mich? Dabei war Aneirin sich eine ganze Zeit lang überhaupt nicht sicher, ob er überhaupt zurückkehren will. Es scheint, als würden einige hier ihn besser kennen als er sich selbst. Aneirin schmunzelt.


    Vor der Tür des benachbarten Fachwerkhauses kramen seine Finger einen Moment in einer seiner Gürteltaschen und ziehen schließlich einen schmiedeeisernen Schlüssel heraus. Eigentlich hatte er vorgehabt, den Schlüssel bei Eolora zu lassen, aber sie bestand darauf, dass er ihn mitnehme. Nachdenklich besieht Aneirin sich den Schlüssel und steckt ihn schließlich in das Türschloss.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!