Große Südstraße

  • Große Südstraße


    Die Große Südstraße von Ildala am Südufer des Ildorel bis Talyra an seinem Nordwestufer ist zweifellos die prächtigste und eine der landschaftlich schönsten Imperialen Reichsstraßen überhaupt. Auf einer Länge von insgesamt 2370 Tausendschritt schließt sie sich in Ildala an den von Süden aus Caer Torrelobar heraufkommenden Sandweg an und führt westlich durch die Freien Fürstentümer Wolfsmark, Sûrmera und Brioca bis nach Talyra, wo sie auf dem Platz der Händler auf den Frostweg trifft und nördlich der Stadt schließlich auf die Große Nordstraße. Breit und durchgehend gepflastert, gut instandgehalten und über weite Strecken auch recht sicher, ist sie die Hauptverkehrsader für alle Händler und Kaufleute, die in großen Handelszügen und Karawanen von Azurien oder den südlichen Immerlanden nach Norden hinaufziehen und dabei über Land reisen wollen, für all jene, die in entgegengesetzter Richtung unterwegs sind und natürlich auch für alle südichen und westlichen Fürstentümer und Freien Städte der Herzlande selbst.


    Die Große Südstraße führt von Ildala aus nach Westen, überquert die beiden Arme des Term bei Termenés und Gougolôn, der Stadt der Gaukler, in zwei wundervollen steinernen Brücken, und verläuft über Rhedae und Nuberon weiter in die Wolfsmark. Über die Wolfswasser gibt es eine Fährverbindung, ebenso wie über die in ihrem Delta recht breite Marmel bei Sûrmera. Sowohl über den Féale, als auch über die Morava und die Rotwasser führen massive Steinbrücken, ebenso wie über die Sarthe im Umland von Talyra. Die Große Südstraße ist eine Imperiale Reichsstraße, in ihrer heutigen Form erbaut zu Zeiten Ûrs, als die heutigen Lande rund um den Ildorel die imperiale Provinz Ildorien waren. Ihr Unterhalt – und Erhalt – dieser Straße obliegt den jeweiligen obersten Landesherren der Reiche, durch die sie führt. In Ildala, der Wolfsmark, Sûrmera und Brioca sind dies die Fürstenhäuser, in Talyra der Stadtrat. In Ildala, Brioca und Talyra wird die Große Südstraße, weil sie zumindest in Teilen auch ein Pilgerweg ist, zudem von Templern ortsansässiger Orden bewacht – in Ildala sind dies vor allem Inari- und Faêyristempler, in Brioca Vendistempler und in Talyra Shenrahtempler.


    Es gibt nur wenige – selbst große – Handelsstraßen, die so gut mit Gasthöfen, Herbergen, Karawansereien, Stellmacher und Schmieden ausgestattet sind, wie die Große Südstraße. Neben mehreren großen, geschichtsträchtigen und bedeutsamen Städten säumen auch zahllose kleine Dörfer diese alte Handelsroute und blühen und gedeihen in ihrer Peripherie. Eines der bekanntesten Gasthäuser entlang der Großen Südstraße steht in Ildala selbst, nämlich 'Taraslans Einkehr' (das, ganz nebenbei, auch ein 'Tatze, Kralle, Schwinge'-Haus ist), in Gougolôn steht die 'Narrenkappe', das beste 'Gasthaus' der Gauklerstadt, das allerdings aus einer verwirrenden Ansammlung schreiend bunter Zelte besteht, in seinem Inneren jedoch bestens ausgestattet ist). Das 'Trunkene Kamel' und die gleichnamige, große Karawanserei liegen im westlichen Ildala zwischen Nuberon und Amarvirin in der benachbarten Wolfsmark. Zwischen Liyonês und Serraval liegt außerdem das größte Gasthaus an der Großen Südstraße überhaupt, das 'Federfass', das Platz für sechshundert Menschen und andere Wesen und über tausend Stück Vieh bieten kann. Zwischen Morayfurt und Dartanjan in Brioca hingegen liegt – angeblich – eines der besten Gasthäuser an dieser Handelsstraße, namentlich der 'Tropfende Krug'. Konkurrenz was diesen Ruf angeht macht dem 'Tropfenden Krug' allerdings der 'Alte Weidenmann' einen Tagesritt nördlich der Stadt Brioca im gleichnamigen Fürstentum gelegen. Und dann gibt es natürlich noch die Nyzemia selbst, die große Karawanserei von Talyra vor dem Händlertor der Stadt, die von den durchreisenden Südländern auch gern Khan al-Umdan, die 'Karawanserei der Säulen' oder 'Herberge der Säulen' genannt wird und in ihren Stallungen sogar hohe Gewölbe für Elefanten hat.


    Trotz ihrer im Allgemeinen als recht gut angesehenen Sicherheit, gibt es auch auf der Großen Südstraße ein wenig Gefahr. Zwar ist man in den im Vergleich zu anderen Gegenden viel dichter besiedelten Landen, durch die sie führt, vor Monstern und gefährlichen Kreaturen – sieht man von Unfug treibenden Irrlichtern einmal ab – weitgehend sicher, und auch vor Raubtieren wie Silberwölfen und Schattenkatzen muss man sich nur selten fürchten, doch ganz ohne Wegelagerer kommt auch dieser Handelsweg nicht aus. Allerdings haben selbst die Banditen der Großen Südstraße eine romantische Ader, denn die Fröhlichen Gesellen samt ihrer mysteriösen Anführerin, der (oder dem?) Dieb von Brioca, auch genannt Elster, stehlen nur von reichen Pfeffersäcken und wohlhabenden Händlern und Kaufleuten, und teilen ihre Beute freigiebig mit den Ärmsten der Armen, weshalb sie im einfachen Volk so beliebt sind (und so viel Unterstützung erhalten), dass die Obrigkeit praktisch keine Chance hat, ihrer irgendwie habhaft zu werden. Die Große Südstraße ist ganzjährig zu bereisen – die Winter sind nur in ihrem äußersten Norden, im nördlichen Brioca und Talyra mitunter schneereich.



    Streckenabschnitte der Großen Südstraße


    Ildala - Termenés: 160 TS
    Termenés - Gougolôn: 150 TS
    Gougolôn - Rhedae: 195 TS
    Rhedae - Nuberon: 190 TS
    Nuberon - Amarvirin: 190 TS
    Amarvirin - Liyonês: 320 TS
    Liyonês - Serraval: 210 TS
    Serraval - Sûrmera: 90 TS
    Sûrmera - Nérac: 220 TS
    Nérac - Morayfurt: 150 TS
    Morayfurt - Dartanjan: 220 TS
    Dartanjan - Brioca: 145 TS
    Brioca - Caernavon: 100 TS
    Caernavon - Talyra: 30 TS




    (c) immerlan.de

    "Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety."

    "Diejenigen, die ihre grundlegende Freiheit aufgeben würden, um ein wenig vorübergehende Sicherheit zu erkaufen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit."

    (Benjamin Franklin.

    Pennsylvania Assembly: Reply to the Governor, Printed in Votes and Proceedings of the House of Representatives, 1755-1756 (Philadelphia, 1756), pp. 19-21. [November 11, 1755] )

  • „There is nothing more thrilling than arriving in a new place on your own
    and feeling the sense of possibility and excitement that brings with it.“

    - Diane von Fürstenberg



    Anfang Sturmwind 526


    Der Tag neigt sich bereits dem Ende zu, als sich die Straße aus dem Süden langsam öffnet und den Blick auf das gewaltige Bollwerk der Weltenstadt freigibt. In der sinkenden Sonne leuchten Talyras Mauern in einem matten Gold, die Türme werfen lange Schatten über das hügelige Umland. Über der Stadt liegt ein Dunst aus Rauch, Gewürzen und fernem Stimmengewirr – der Atem eines Ortes, der niemals ganz zur Ruhe kommt.


    Von der Anhöhe aus, auf der der Tross der Adamarah zum Stehen kommt, wirkt Talyra wie ein lebendiges Versprechen. Laeney steht neben einem der zahlreichen Wagen, die Hände in die Hüften gestemmt, der Wind fährt ihm durchs kastanienbraune Haar. Die gepflasterte Straße unter ihm glänzt vom Tag noch staubig und warm. Sie zieht sich wie ein lebendiges Band durch die Landschaft, verbindet Fürstentümer und Städte. Hinter ihm klirren Geschirre, Pferde wiehern, Maultiere schreien, Kinderlachen hallt zwischen den Wagen wider.


    „Da ist sie!“, ruft ein Mädchen aus der Sippe, kaum zwölf Sommer alt, und zeigt mit ausgestrecktem Arm auf die Mauern.

    „Siehst du das, Laeney?“, ein kleiner Junge hüpft neben ihm auf und ab, das Gesicht verschmiert vom Staub der Straße.

    „Ich seh’s, ja“, antwortet Laeney, und obwohl er seine Stimme ruhig hält, spürt er, wie sich in seiner Brust etwas regt – eine Mischung aus freudiger Erwartung, Nervosität und vielleicht auch ein klein wenig Angst.


    Die Stadt wird würdevoll in das orangene Licht der Abendsonne getaucht. Hinter den Mauern glimmen schon die ersten Laternen, und aus der Ferne dringt das Läuten von Glocken herüber. Laeney schweigt einen Moment lang und lässt den Anblick der Weltenstadt auf sich wirken. Der Weg hierher war lang, die Füße brennen, aber jetzt, wo die Stadt zum Greifen nah ist, spürt er wie die Vorfreude sich in seinem Inneren breit macht. Seine Finger trommeln nervös gegen seine Hüften und seine Fersen beginnen, auf und ab zu wippen.


    Laeney wischt sich den Staub aus dem Gesicht. Seine Reisekleidung ist schlicht, dunkel, vom Wege abgetragen; die Weste trägt ein paar Brandflecken, die Ärmel sind hochgekrempelt. Die Müdigkeit hängt ihm in den Gliedern. Und nun, da das Sonnenlicht schwindet, spürt er, wie die Kälte der anstehenden Nacht allmählich nach seinen Gliedern greift.


    „Na los, Junge“, brummt eine dunkle Stimme hinter ihm. Tarin, der alte Wagenmeister, hebt warnend den Finger. „Die Stadt läuft uns nicht davon. Weiter jetzt – ehe die Pferde von selbst entscheiden, wo sie rasten.“

    Laeney zuckt leicht mit einem Mundwinkel. „Schon gut, schon gut. Ich glotz‘ ja gar nicht…“, erwidert er und fügt nach einem Herzschlag ein halblautes „Na gut, vielleicht ein bisschen“ hinzu. Rasch zieht er einen Mantel vom Wagen, den er sich sogleich überwirft, ehe er das Halfter des Maultieres greift und der Tross seinen Weg gemeinsam fortsetzt.


    → Der Platz der Händler

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