Beiträge von Aneirin

    Stille empfängt Aneirin als er vorsichtig das Haus betritt und die Tür hinter sich langsam zurück ins Schloss drückt. Einige Atemzüge lang steht er nur da und lauscht in das Gebäude und sich selbst hinein. Eine gewisse Aufregung, die in seinen Adern pulsiert kann er nicht leugnen, doch im Gegensatz zu ihm ist es im Haus völlig ruhig. Behutsam lässt er seinen Rucksack von seiner Schulter gleiten und stellt ihn an das schmale Schränkchen rechterhand. Er geht zwei, drei weitere Schritte zum Garderobenhaken dahinter und schält sich gemächlich aus Schal und Mantel. Seine Augen wandern dabei die Treppe hinauf und als er seinen Mantel aufgehängt hat ertappt er sich dabei, wie er noch einmal ganz angespannt horcht. Doch außer den leise knarzenden Holzdielen unter seinen Fußsohlen kann er nichts weiter vernehmen. Es wundert ihn nicht, denn eigentlich erwartet er niemandem in seinem Heim. Fürs Erste wendet er seine Aufmerksamkeit vom Obergeschoss ab und betritt den Wohnraum.

    Zurückhaltend schält sich das Licht der Dämmerung durch die Ritzen der geschlossenen Fensterläden, gerade genug, dass Aneirin sich mühelos im Raum zurechtfindet. Statt die Läden zu öffnen, entzündet er eines der Lichter und blickt sich um. Die großen Möbelstücke sind mit hellen Tüchern verhangen und alles steht genauso wie er es vor drei Jahren zurückgelassen hat. Doch wie sein Blick durch das Zimmer wandert, legt sich ein schmunzelndes Lächeln auf seine Lippen. Auf den ersten oder gar zweiten Blick fällt es zunächst nicht weiter auf und doch entgeht Aneirin nicht, dass es im gesamten Raum sauber ist. Viel zu sauber. Selbst auf den Tüchern liegt kaum ein Staubkorn. Eolora… Sie hat doch nicht allen Ernstes die vergangen drei Jahre damit verbracht, das Haus sauber zu halten als würde sie jeden Tag seine Rückkehr erwarten?

    Aneirin schüttelt lächelnd den Kopf und beginnt die Tücher abzuhängen und zusammenzufalten. Mit den Tüchern auf dem Arm macht er sich auf ins Obergeschoss, um sie wieder in der Kommode des Gästezimmers zu verstauen. Als er das Schlafzimmer betritt, um auch dort die Laken zu entfernen, staunt er über ein offenbar recht frisch gemachtes Bett. Mit einem dankbaren Lächeln entfernt er das Laken von der Kommode und geht dann hinüber zu dem abgedeckten Kinderbett seiner Tochter. Das Lächeln auf seinen Lippen ist jedoch längst verschwunden als er eine Hand auf das Laken legt. Aneirin zögert und ist sich nicht sicher, ob er das Laken nicht darauf lassen sollte. Erträglicher macht es das aber wohl auch nicht, muss er sich eingestehen, überwindet sich und zieht also rasch das Laken herunter. Das leere Bett selbst würdigt er allerdings nur eines kurzen Blickes.

    Nachdem er die Tücher verstaut hat, wäscht er sich und kleidet sich um und beginnt erste Teile aus seinem Rucksack zu räumen, während er dabei die Reste seines Reiseproviants verspeist. Er kann die frischen Brötchen seiner Bäckerei am nächsten Morgen kaum erwarten. Als ihn seine erschöpften Glieder schließlich ins Bett nötigen streckt er mit einem erleichterten Seufzen alle Viere von sich. Es fühlt sich gut an, wieder zu Hause zu sein.

    >Ich bin so froh, dass Du heil wieder hier bist. Es gab in letzter Zeit viel zu wenig gute Neuigkeiten<, hallt Rialinns Stimme bald in seinen Gedanken wieder. Mit den Händen fährt er sich lange durch das Gesicht. Er hofft inständig, dass in den nächsten Tagen nicht allzu viele schlechte Nachrichten über ihn hereinbrechen. Arúen, Rialinn, Falk und Eolora geht es den Göttern sei Dank schon einmal gut. Er sollte Zuversicht daraus schöpfen. Diesen Gedanken festhaltend versucht er in erholsamen Schlaf zu finden.



    Gefühlte Stunden starrt Aneirin an den Baldachin seines Bettes. Obwohl er die Erschöpfung schwer in seinen Gliedern spürt, will sich einfach kein Schlaf einstellen. Unzählige Male dreht er sich herum, ehe er sich schließlich aufsetzt und das Kinderbett anstarrt. Der Anblick des leeren Kinderbettes reißt an alten Wunden, die längst nicht vollständig geschlossen sind und sich vermutlich auch nie vollkommen verheilen werden. Dass er immer wieder an seine Tochter wird denken müssen und auch immer wieder mal dabei Schmerz verspüren wird, das kann er nicht ändern und will es auch gar nicht. Aber gegen dieses Symbol der Leere dort an seinem Bettende, dagegen lässt sich etwas tun.

    Also schwingt er die Beine über die Bettkante und macht sich auf die Suche nach seinem Kasten mit Werkzeugen, um das Bettchen abzubauen. Vielleicht findet sich in den nächsten Tagen jemand, der es ihm abnehmen möchte oder er wird in einem der Waisenhäuser fragen, ob es dort gebraucht wird. Jetzt soll es ihm genügen, das Bett in seinen Einzelteilen nach unten in den Flur zu tragen und unter die Treppe zu stellen.

    Nachdem er auch noch gefegt hat, steht er an dem offenen Fenster unter dem das Kinderbett zuvor noch gestanden hat und starrt hinaus in die Nacht. Es fühlt sich nun etwas besser an, wenngleich ihm immer noch nicht nach Schlafen zumute ist. Dennoch legt er sich zurück in sein Bett. Er sollte nicht zu viel Grübeln und Spekulieren, sondern versuchen, sich noch etwas auszuruhen. Er wird nach Sonnenaufgang noch früh genug herausfinden, was alles geschehen ist. Also dreht er sich herum, vergräbt sich in seiner Decke und schließt die Augen.


    Als Aneirin die Augen wieder öffnet, braucht er einen kleinen Augenblick, um sich zu orientieren. Sein Schlaf ist tief und traumlos gewesen. Ein Blick zum Fenster verrät ihm, dass es allerdings nicht allzu lange gewesen sein kann. Vom heranbrechenden Morgen ist am Himmel noch nicht viel zu sehen. Aneirin seufzt und beschließt, dass es keinen Sinn macht, sich noch einmal herumzuwälzen. Also steht er auf, geht sich kurz durch das Haar, um es wieder zu einem Zopf zu binden und kleidet sich an. Als er gezielt eine kleine Schublade seiner Kommode öffnet, lächelt Aneirin. Der Schlüssel zur Bäckerei liegt noch dort, wo er ihn zurück gelassen hat. Freudig greift er danach und eilt die Stufen herunter. Wenn er schon nicht schlafen kann, dann kann er sich ja wenigstens nützlich machen.

    Blätterfall 521



    Der Weg durch die Straßen der Stadt hat etwas Gespenstisches an sich. Selbst denjenigen, die das rege und bunte Treiben in den Straßen Talyras, das hier vor dem Einzug der Seuche herrschte, nicht kennen, muss einfach auffallen, dass auf den Straßen nur wenige Menschen und sonstige Völker unterwegs sind. Und von denen, die unterwegs sind, ist gefühlt jeder zweite entweder ein Blaumantel der Patrouillen, die noch immer in regelmäßigen Abständen durch die Straßen marschieren, um beispielsweise größere Menschenansammlungen aufzulösen und allgemein die Bevölkerung daran zu erinnern, Abstand zu halten und Mund wie Nasen mit Schals oder Seuchenmasken zu bedecken. Oder es sind viel zu oft erschöpft wirkende Heiler, Anirani und Priester jeden Ranges, die durch die Straßen ziehen, um Erkrankte zu versorgen oder Seelsorge denen zu schenken, die geliebte Menschen an die Rote Seuche verloren haben – neben all den anderen Krankheiten und Gründen, die der Roten Seuche ja nicht gewichen sind.


    Vor einer ehemaligen Töpferei im Handwerkerviertel verweilt er einen Augenblick und besieht sich die mit Brettern vernagelten Fenster und die versperrte Tür. Nur eines von vielen Geschäften, das aufgegeben werden musste, sei es aus finanziellen Gründen oder weil der oder die Eigentümer verstorben sind. Nicht selten hat die Seuche es geschafft ganze Familien auszulöschen. Aneirin kontrolliert schon fast routiniert den Sitz des Schals, der ihm Mund und Nase bedeckt, während er versucht das mulmige Gefühl zu verdrängen, das ihn überkommt, wenn er daran denkt, dass ohne Falk die Bäckerei vermutlich dasselbe Schicksal ereilt hätte. Und den Göttern sei Dank hat sein Lehrling die Seuche heil überstanden. Was wohl aus all den anderen geworden ist, von denen er in den letzten Monden und Jahren nichts gehört hat?


    Als Aneirin das Mühlenviertel erreicht sind seine Schritte schon recht träge und die Erschöpfung kriecht samt Kälte durch seine Knochen. Wäre er mit Arúen und ihren Kindern durch das Gewirr gegangen, hätte er sich die Hälfte des Weges sicher gespart. Doch die Erfahrung seiner ersten und bisher einzigen Reise durch das Gewirr möchte er freiwillig so schnell nicht noch einmal machen, auch wenn die Übelkeit und Orientierungslosigkeit womöglich mit seiner damaligen Schädelverletzung zu tun hatten. Unwillkürlich reibt er sich den Hinterkopf und zieht im nächsten Moment das Haarband etwas enger, das seine Haare zu einem Zopf zusammenhält. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, die vertrauten Wege zu gehen und sich doch nicht sicher zu sein, wie viel noch von dem ist, das mal gewesen ist.


    Kaum dass er um die letzte Häuserecke gebogen ist, atmet Aneirin erleichtert aus, als er die Bäckerei erblickt und sie auch tatsächlich noch so aussieht, wie er sie verlassen hat. Drinnen ist es zwar dunkel, doch schließlich hat Falk auch schon längst Feierabend gemacht. Ein müdes Lächeln umspielt seine Lippen wie er so vor dem Eingang der Bäckerei verharrt und seine Gedanken in vergangene Zeiten abschweifen. Er steht tief in Falks Schuld. Dass er ihm die Bäckerei erhalten hat, wird er ihm nie vergessen.


    Aneirin löst den Blick von dem Gebäude und geht noch ein paar Schritte rechterhand weiter zu seinem Wohnhaus gleich daneben. Er hatte seinem Lehrling angeboten, ihm das Haus zu überlassen, solange er fort ist, doch Falk hatte abgelehnt, ja, sich fast mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Ob er befürchtete, ich würde nicht zurückehren, wenn er es annehmen würde? Der Gedanke war Aneirin bisher gar nicht gekommen. Doch rückblickend macht es durchaus Sinn. Auch, dass er seine Meisterprüfung noch nicht ablegen wollte. So viel Vertrauen hast du in mich? Dabei war Aneirin sich eine ganze Zeit lang überhaupt nicht sicher, ob er überhaupt zurückkehren will. Es scheint, als würden einige hier ihn besser kennen als er sich selbst. Aneirin schmunzelt.


    Vor der Tür des benachbarten Fachwerkhauses kramen seine Finger einen Moment in einer seiner Gürteltaschen und ziehen schließlich einen schmiedeeisernen Schlüssel heraus. Eigentlich hatte er vorgehabt, den Schlüssel bei Eolora zu lassen, aber sie bestand darauf, dass er ihn mitnehme. Nachdenklich besieht Aneirin sich den Schlüssel und steckt ihn schließlich in das Türschloss.

    Aneirin ist sichtlich erleichtert zu hören, dass es Falk und auch Eolora gut geht und die Bäckerei nach wie vor existiert. Bis eben hatte er eigentlich auch nicht daran gezweifelt, doch es sind nun einmal unberechenbare Jahre gewesen. „Dieser verdammte Sturkopf von einem Lehrling“, muss Aneirin schmunzeln. Und Rialinn hat Recht. Es gab tatsächlich zu wenig gute Neuigkeiten. „Mach’s gut, Rialinn.“ Einen Augenblick sieht er der jungen Elbin noch nach, aber als Arúen fortsetzt, gilt seine Aufmerksamkeit wieder ihr.


    >Wenn Du magst, komm zu uns zum Essen und wir können hinterher in Ruhe am Kamin sitzen und uns unterhalten.< Aneirin nickt lächelnd. „Das werde ich, vielen Dank. Wenn ich es schaffe, komme ich gerne gleich morgen Abend.“ Nicht, dass er etwas vor hätte. Doch wer weiß schon, was der heutige Abend sowie der morgige Tag für ihn bereithält. Er greift seinen Rucksack und schultert ihn. Mit einem Blick auf die geschlossenen Augen der kleinen Ileanna lächelt er mitfühlend. „Ich begleite euch noch gerne heim, wenn ihr möchtet.“

    Seine Augen folgen Tuloans Blick hoch zu Arúen. Die kurze Überraschung auf Aneirins Gesicht als die Shida‘ya hinzufügt, dass die beiden Kinder die ihren seien, kann er vor ihr sicher nicht verbergen. Der allerdings folgt sogleich ein verstehendes Neigen des Kopfes und ein willkommendes Lächeln als er die beiden Geschwister wieder ansieht.

    „Schön, euch kennenzulernen, Ileanna, Tuloan“, nickt er den beiden zu und erhebt sich wieder, legt den Arm um Rialinn, die ihn immer noch freudig anfunkelt, und drückt sie etwas an sich. „Entschuldige, ich wollte euch nicht in Ungewissheit lassen, schon gar nicht in Sorge, aber…“, beginnt er an Arúen gewandt, als er ein leises >Îhio sa'cur…< vernimmt.

    Aneirin muss kein Shidar sprechen, um zu verstehen. Denn als Arúen das kleine Mädchen wieder auf den Arm hebt ist mehr als ersichtlich, dass Ileanna todmüde ist. Verständnisvoll lächelt Aneirin und entlässt Rialinn aus seinem Arm. Sie wiederum blickt ihn an und erklärt mit einem Fingerzeig auf ihre Schwester: „Ileanna und Tuloan haben ein neues Totenlicht für Brianna mitgebracht.“
    Überrascht und gerührt sieht Aneirin von Schwester zu Bruder und nimmt dankbar das Licht von Rialinn entgegen, das diese dem müden Kind abgenommen hat. Dass die beiden so fürsorglich sind, obwohl sie Brianna nie kennengelernt haben, rührt ihn sehr. „Ich danke euch von Herzen“, dabei sieht er auch Arúen an, „danke, dass ihr für Brianna da seid“.

    Da wendet er sich an Tuloan: „Darf ich es anzünden?“ Der Junge wirkt kurz überrascht ob der Frage, nickt dann aber, woraufhin sich Aneirin wieder Briannas Grab zuwendet, um das Licht zu entzünden und gegen das abgebrannte in der Grablaterne zu tauschen.

    „Sieh nur, Sonnenschein, deine Freunde haben dir ein neues Licht gebracht.“ Noch einmal lässt Aneirin den Blick über Briannas Ruhestätte wandern, ehe er sich erhebt und wieder an Arúen und die Kinder herantritt. Er hat so viele Fragen, würde gerne wissen, was in den letzten drei Jahren hier in Talyra und mit seinen Freunden geschehen ist, wie es Arúen und ihrer Familie ergangen ist. Aber er sieht auch ein, dass dies hier und jetzt weder der richtige Ort noch die richtige Zeit ist, sich darüber auszutauschen.


    „Wenn es deine Zeit zulässt, würde ich gerne in den nächsten Tagen bei dir vorbeischauen. Ich richte mich da aber ganz nach dir“, versichert er, denn er will sich trotz aller Fragen nicht aufdrängen. „Ich sollte wohl erst einmal nach der Bäckerei sehen. Falk ist hoffentlich gut zurechtgekommen“, lächelt Aneirin zunächst zuversichtlich. Dann aber stutzt er und ein wenig verunsichert sieht er Arúen an. „Es gibt sie doch noch?“

    Als die Melodie zwischen den Zweigen der Nurmweide verklingt, öffnet Aneirin die Augen und lässt den Blick wieder hinunter zu Briannas Grab gleiten. Er fühlt Erleichterung und sich auch auf eine Weise gestärkt, die ihn fast schon ein wenig überrascht. Er ist nicht sicher, was er erwartet hat zu fühlen bei dem Anblick ihrer Ruhestätte, aber er ist sich sicher, dass es nicht dies gewesen wäre. Aneirin atmet tief durch. Diese erste Station seiner Rückkehr hat ihn zuversichtlich werden lassen. Was ihn wohl erwartet, wenn er erst einmal wieder zurück in der Bäckerei ist? Ob es seinem ehemaligen Lehrling gut geht? Inzwischen müsste er unter Meister Brachingers wachsamen Augen längst die Meisterprüfung abgelegt haben. Aber wer weiß denn dieser Tage schon, was möglich ist und was nicht…


    In Gedanken greift er nach seinem Rucksack und schultert diesen. Am kommenden Tag würde er gewiss wiederkommen, das ist er Brianna nicht nur schuldig, es ist ihm auch ein Bedürfnis. Außerdem könnte er gleich das ausgebrannte Totenlicht in der Grablaterne ersetzen, bemerkt er noch. Aneirin lächelt und wendet sich ab. Zuerst aber wird er sich bei Arúen melden, sie sollte schließlich als Erste erfahren, dass-


    „Aneirin!“


    Einen Herzschlag lang erstarrt der blonde Mann überrascht, ehe er in einem weiteren seinen Rucksack wieder sinken lässt, um im nächsten einen schwarzhaarigen Wirbelwind freudig in seinen Armen zu halten. Ganz fest drückt er das Elbenmädchen für einen Moment an sich, ehe er sie von sich fortschiebt, sanft bei den Händen nimmt und sie von oben bis unten mustert. Nein, kein Mädchen mehr, vielmehr eine junge Frau. Bei dem Blick in ihre waldgrünen Augen lächelt er sanft. „Rialinn, was bist du groß geworden.“ Erneut zieht er sie an sich, drückt sie noch einmal, während seine Augen über ihre Schulter zu Arúen wandern und ihren Blick suchen.


    Als er Rialinn fast schon widerwillig aus seiner Umarmung entlässt, um Arúen entgegen zu gehen, setzt die Hohepriesterin ein kleines, ebenfalls schwarzhaariges Elbenmädchen von ihrem ab, das sich allerdings sogleich wieder an ihren Mantel klammert als wolle es sich darin verstecken. Auch der Junge an ihrer Seite bleibt zurückhaltend, vielleicht schutzsuchend etwas hinter der Elbin.


    Vor Arúen bleibt Aneirin stehen und sieht sie wenige Herzschläge lang einfach nur freudig an. Er hat ihr so vieles zu verdanken, er bräuchte viele, sehr viele weitere Leben, um sich für all das zu revanchieren, das sie für ihn auf sich genommen hat und das sie für ihn getan hat. Worte können all die Dankbarkeit, die er empfindet, gar nicht ausdrücken. Schließlich macht er einen Schritt und nimmt sie in den Arm. „Den Göttern sei Dank, ihr seid wohlauf“, flüstert er, drückt sie noch ein wenig inniger und hofft, dass sie spüren kann, wie viel es ihm bedeutet, sie und ihre Tochter gesund zu wissen.


    Mit einem breiten Lächeln entlässt er Arúen aus seinen Armen, hält noch einen Atemzug lang ihren Blick, ehe er seinen zu den beiden ihm fremden Kindern an ihrer Seite wandern lässt. Bedächtig geht er in der Hocke, um etwa auf Augenhöhe mit dem kleinen Mädchen zu sein, das sich daraufhin noch etwas fester an Arúen presst, wie ein verängstigtes Kind an seine Mutter. „Grüße, ihr zwei“, spricht er sanft und blickt dabei auch zu dem Jungen hinüber. „Euch kenne ich noch nicht. Ich bin Aneirin“, stellt er sich vor und legt dabei die Hand auf Höhe des Herzens an seine Brust.

    ← Auf der Ringstraße und entlang der Stadtmauern



    Im Blätterfall 521



    Tatsächlich endet Aneirins Heimreise noch vor Einbruch der Nacht. Allmählich zieht sich ein erstes zartes Rosa durch die dünnen Schleierwolken. Zuhause… Trotz aller Geschehnisse fühlt es sich tatsächlich wie eine Heimkehr an. Aneirin war bis zu diesen Zeitpunkt nicht bewusst gewesen, wie sehr diese Stadt zu seinem Zuhause geworden ist.


    Auf seinem Weg durch die Straßen Talyras sieht er sich nicht bewusst um. Noch hat er nicht das Bedürfnis nach Vertrautem wie Unbekanntem Ausschau zu halten. Zuerst wird er sein Versprechen einlösen. Alles andere kann warten, wie es dies schon seit drei Zwölfmonden tut. Seine Schritte führen ihn auf schnellstem Wege zum Sithechhain. Und mit jedem Schritt, den er sich dem Knochenacker nähert, nimmt die Nervosität stetig zu und kribbelt in jeder Faser seines Körpers.


    Er ist sich sicher, dass sie sich gut um die Ruhestätte seiner Tochter gekümmert haben. Er bat Arúen und Rialinn sowie Lyall und Eolora ausdrücklich und zweifellos werden auch andere nach ihr gesehen haben, daran glaubt er ganz fest. Doch… wer weiß schon, was die letzten Zwölfmonde ihnen allen bereitet haben. Ob nicht eigene Sorgen in den Vordergrund rückten. Könnte er es auch nur einem von ihnen übel nehmen, wenn dadurch vielleicht Briannas kleines Grab in Vergessenheit geraten war? Schließlich kann man seine eigenen Besuche am Grab seiner Tochter noch an einer Hand abzählen, ganz abgesehen davon, dass er sie drei Jahre lang allein gelassen hat. Ob sie es ihm übel nimmt?


    „Ich bin da, mein Schatz. Papa ist da. Ich habe dich gefunden. Ich bin da.“


    Wie ein stilles Willkommen klingt das Rauschen in den blaugrünen Blättern der Nurmweide, die sich nur wenige Handbreit über seinem Haupte zur Melodie des Windes wiegen. Eine beruhigende Melodie, die auch Aneirin nun in seinem tiefsten Inneren langsam versöhnlich werden lässt. Behutsam lässt er seinen großen, schwer wirkenden Rucksack neben sich sinken und seinen Blick über das kleine Grab wandern. Jeder noch so kleine Funke Sorge war unbegründet. Man hat sie nicht vergessen. Das Grab ist liebevoll gepflegt. Ein Bund frischer Blumen, sicher noch keine drei Tage alt, leuchtet in einer feinen Vase zwischen den zarten, weißen Blüten des Zauberschnees und rosafarbener Besenheide. Brianna wäre sicher ganz entzückt… Mein Sonnenschein, mein Herz…


    Eine ganze Weile steht er da, äußerlich scheinbar ruhig und beherrscht. Wäre da nicht die sich Immer wieder schließende und öffnende Faust seiner linken Hand. Er ringt mit den aufkommenden Erinnerungen, will sie eigentlich nicht zu lassen. Er hat sie oft genug durchlebt und wollte sie nun endlich hinter sich lassen. Und doch merkt er, dass er nicht anders kann. Vielleicht muss es sein, vielleicht noch einmal, hier, genau hier. Dieses eine Mal noch und dann soll es gut sein. Nur noch dieses eine Mal.


    „Brianna, lauf weiter! Lauf und versteck dich!“


    Still, der Gesang des Abschieds

    Leise, die Tränen der Nacht *


    „Brianna! NEIN! Briannaaaa!“


    Kalt ist der Wind, die Trauer beginnt

    Der Winter erwacht *


    „Hilf ihr, Arúen, Du musst ihr helfen."


    Schweige nun, banges Sehnen

    Schweige und klag nicht dein Leid *


    „Nein! Arúen, hilf ihr! Rette sie, verdammt noch mal! RETTE SIE! ARÚEN!“


    Trauer vergeht, vom Winde verweht

    Erinnerung bleibt *


    Eine Berührung zart wie ein Windhauch streift seine zur Faust geballte Hand und lässt ihn augenblicklich an seine Seite blicken. Briannas strahlend grüne Augen sehen ihn liebevoll an und wie er ihr Lächeln erblickt wird ihm ganz warm ums Herz. Aneirins Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern als er von ihr wissen will: „Bist du mir bös‘?“ Briannas goldenes Haar wiegt sich sanft, als sie den Kopf schüttelt. Erleichtert schließt Aneirin für einen Atemzug die Augen, um den Tränenschleier zu vertreiben. Als er sie wieder öffnet, ist sie bereits wieder fort. Doch überraschender Weise spürt Aneirin keine Enttäuschung. Sie ist da und für immer bei ihm. Er fühlt es genau.


    Einige Herzschläge lang starrt er noch dorthin, wo seine Tochter eben noch gestanden hat, ehe er den Blick hinauf in die blaugrüne Krone der Nurmweide hebt und sich mit einem sanften Lächeln auf den Lippen vom Tanz der schmalen Blätter in ihren Bann ziehen lässt.


    Wir seh'n uns wieder, gewiss irgendwann

    In meinen Träumen sind wir zusamm'

    Und eines Tages folge ich dir

    Wir seh'n uns wieder, weit weg von hier *




    * aus dem Song: „Oonagh - Wir seh’n uns wieder“

    Blätterfall 521



    Ein rot-gelb-gold’nes Blättermeer

    Entschwindet in die Weite

    Im Laub, kein Wuchs, kein Leben mehr

    Der Wind streift nackte Zweige


    Die Wälder schweigen wunderbar

    Des Einsamen Gefährten

    Der Himmel leuchtet herbstlich klar

    Ich folg der Wolken Fährten


    Ein Vogelzug grüßt auf dem Weg

    Wir sehen uns bald wieder

    Obwohl im Blätterfall verweht

    Hör ich noch ihre Lieder…



    Karumms. Der Ruck, der so heftig durch den Karren geht, dass sogar das Holz erzittert, lässt Aneirin die Augen aufschlagen und horchen. Da sind das vertraute Quietschen der Räder, das dunkle Schnauben der Ochsen und das ewige Räuspern des alten Bauern, der den Ochsenkarren lenkt. Ruhig wandern Aneirins smaragdgrüne Augen hinauf in das strahlende Blau des Himmels über ihm, das ab und an von zarten, federartigen Wolken unterbrochen wird. Zwei goldgelbe Blätter tanzen ihren ganz eigenen Reigen, jagen einander sanft vom Wind getragen und sind im nächsten Augenblick auch schon wieder verschwunden, während eine neckische Brise Aneirins Nase kitzelt.


    Lange atmet er ein und man könnte für einen Augenblick meinen, Aneirin überlege, ob er überhaupt wieder ausatmen soll. Acht Zwölfmonde ist es bereits her seit er die Straße, auf der sie fahren, das erste Mal beschritt. Der blonde Mann erinnert sich gut an die aufgeregte Vorfreude, die ihn damals erfasst hatte, als er das Juwel der Herzlande zum ersten Mal erblickte und ein ganz neuer Abschnitt in seinem Leben begann. Damals im Blätterfall. So viel ist seitdem geschehen, das er zuvor niemals auch nur erahnt hätte, als er seine Reise ganz unbedarft angetreten war.


    Zögerlich atmet Aneirin schließlich wieder aus. Dann aber fasst er sich ein Herz richtet sich auf und zieht sich hoch, um über die Schulter des betagten Wagenlenkers zu blicken. Wie er dort in der Ferne die Stadt Talyra erblickt, bemerkt er überrascht die Wiedersehensfreude, die ihn nun doch tatsächlich ergreift und beginnt den Schatten, der sich bisher über sein Herz gelegt hatte, zumindest ein wenig zu erhellen. Es hat etwas von einem Neubeginn. Irgendwie ist es das ja. Vieles hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Er selbst hat sich verändert. Und dennoch… Trotz der Freude über diesen neuen Anfang mit all seinen Möglichkeiten nagt zugleich zäh Furcht vor eben diesen Veränderungen an ihm. Schließlich ist er drei volle Zwölfmonde fort gewesen. Drei ereignisreiche Zwölfmonde. In erster Linie für ihn, aber vor allem der letzte auch für die gesamten Herzlande. Vielleicht hätte er sich doch wenigstens ankündigen sollen statt die letzten Monde gar nichts von sich hören zu lassen. Doch die Sorge, dass die Antwort hätte ihn womöglich davon abgehalten hätte, wieder zurück zu kehren, war größer gewesen. Was sich wohl alles verändert hat?


    „Keine Sorge“, räuspert sich der Alte vor ihm als er seinen blonden Mitfahrer bemerkt. „Wir werden die Schöne schon noch vor dem Abend erreichen. Hab’s ja gesagt“ Für den Moment aus seiner Grübelei gerissen schmunzelt Aneirin, klopft dem Wagenlenker dankbar auf die Schulter und wendet schließlich seinen Blick ab , um sich wieder zwischen die Säcke auf dem Wagen sinken zu lassen. Was und wer auch immer ihn hinter den Stadtmauern erwarten mag… Aneirin weiß ganz genau, wohin ihn sein Weg als Erstes führen wird.


    Mein Sonnenschein… Ich bin wieder zu Hause.



    → Der Sithechhain

    Jetzt gerade hab ich Conan Exiles an (eigentlich nur meinem Mann zu Liebe und ich baue da eigentlich auch nur diverse Gebäude unserer Niederlassung). :tipsy:


    Davon ab, komme ich momentan einfach kaum zum Spielen. Cyberpunk hab ich schon ne Weile installiert, aber noch nie gestartet (weiß auch nicht, ob ich die Grafikkarte das hinkriegt). Das aufgehübschte Mass Effect hab ich auch gesehen und mich total gefreut, werd ich mir wahrscheinlich irgendwann holen, aber vermutlich nie spielen (ja, habs schon mehrere Male durchgesuchtet, besonders Teil 1). Witcher 3 hab ich schon schon seit ner Ewigkeit durch und wollte eigentlich noch mal von vorne anfangen. Naja, Teil 1 vor, keine Ahnung, zwei Jahren installiert, lief 2 Minuten. :)) WoW hatte ich mit der letzten Erweiterung angefangen, aber sobald es ans Grinden und Ruffarmen ging war ich wieder aus, denn dafür fehlt mir einfach die Zeit (von Raids ganz zu schweigen). Zwischendurch mal ne Einheit Stardew Valley, aber jetzt auch schon ne ganze Weile nicht mehr. Hab noch einige Spiele hier rumliegen, aber keine Zeit oder Kraft/Lust, wenn am Abend einfach der Akku leer ist.


    Mein persönlicher Tipp noch: "Detroit - Become Human". Das hatte ich durchgesuchtet und mehrmals durchgespielt wegen der unterschiedlichen Geschichtsstränge (und Erfolge gejagt) und hab bei jedem Durchlauf immer wieder was Neues entdeckt.

    Aneirin Ich meinte damit schon meine direkten Mitspieler, also die in meiner "Blase" . Ich versteh dich mit Kaya, aber ich fänd's wirklich sehr schade um sie. Gäb's vielleicht irgendeine Möglichkeit sie unabhängig von ihren Bezugspersonen zu spielen? Ich mein, sie dürfte inzwischen ja eh großjährig sein, oder? :-?

    Entschuldige, dann hab ich dich falsch verstanden. 8)
    Ist sie, und naja, theoretisch gibt es natürlich schon Möglichkeiten (hätte auch die eine oder andere Idee), aber trotzdem müsste bzw möchte ich Rücksprache mit meinen bisherigen Mitspielern halten, denn deren Charaktere leben ja weiter in der Stadt und das kann ja nicht so einfach ignorieren. :)

    Fürs Protokoll, ich hätte übrigens auch nichts gegen Springen, aber das kann ich nicht allein entscheiden *auf Mitspieler schiel* :stock:

    Nun ja, was heißt, nicht alleine entscheiden? Letztlich hatte doch jeder irgendwie in einer Zeitblase gespielt? Ich für mich bin davon ausgegangen, dass wenn das Forum irgendwann mal wieder auftaucht, an sich "gesprungen" wird, damit man nicht zwei, drei Jahre in der Vergangenheit spielt. Ich weiß noch nicht, wie ich das mit der letzten unbeendeten Story bei Aneirin handhaben werde (der interessanteste Teil stand ja gerade erst bevor), ob irgendwie zwischendurch als Flashbacks oder ob ich tatsächlich in der Vergangenheit zu Ende spiele (das hängt auch von meinen bisherigen Mitspielern ab). Aber für Aneirin ist Springen an sich kein Problem, das kriege ich schon hin.

    Bei meinem Charakter Kaya sieht das schon wieder anders aus. Auch da ist so vieles nicht ausgeschrieben, vor allem aber ist sie abhängig von anderen Chars und in wieweit ich sie wieder "unanhängig" bekomme, dass ich sie logisch in der Stadt weiter spielen kann, kann ich noch nicht sagen. Das kommt auch drauf an, ob da die Mitspieler, die ihre Bezugspersonen spielen wieder auftauchen und ob und wie diese weiter spielen wollen. Bis das nicht geklärt ist, melde ich sie wahrscheinlich auch erst mal nicht wieder an. Es wäre schade drum, sie ist so ein toller Charakter und ich hatte noch viel mit ihr vor. Aber da heißt es erst einmal abwarten.

    Eine der schönen Häuserecken in einer der zahlreichen, schmalen Straßen des Mühlenviertels und unweit einer der großen Hauptstraßen, die direkt zum großen Markt der Stadt führen, beherbergt seit 515 die kleine Bäckerei Gerdenwald. Einige Monde lang stand das Gebäude der im ganzen Viertel bekannten Bäckerei seit dem Tod seines ehemaligen Besitzers leer. Die Witwe des anerkannten Bäckers Gylsten verkaufte diese im Nebelmond 514 schließlich an den jungen Bäckermeister Aneirin Gerdenwald, der sich des Betriebes annahm und ihn wieder auf die Beine stellte, um an die einstmals erfolgreichen Zeiten der alten Bäckerei anzuknüpfen. Die Bäckerei Gerdenwald ist eine grobe Weiß- und Schwarzbäckerei, in der in erster Linie Brote und Brötchen gebacken werden. Nur ab und an findet man hier feine Hefebackwaren wie Hefezöpfe oder Stuten.



    Das Backhaus


    Bei dem Gebäude, das die kleine Bäckerei beherbergt, handelt es sich um ein altes, aber gut instand gehaltenes, zweigeschossiges Fachwerkhaus mit einem aus roten Schindeln gedeckten Spitzdach, von denen viele durch Wind, Wetter und Zeit bereits gezeichnet sind und eine deutlich dunklere Färbung und manchmal einige fast schwarze Flecken tragen. Dazwischen finden sich auch ab und an aber deutlich hellere, da neue Schindeln alte ersetzten, das Dach dicht und den Innenraum weiterhin trocken zu halten.

    Das oberste und kleinste Fenster des spärlichen Dachgeschosses, das zur Straße hin zeigt, weist an seinen Seiten keine Läden auf, mit denen man das wenige durch das blasige Glas schummrig ins niedrige Dachzimmer einfallende Licht abblenden könnte. Die Dachkammer selbst, zu der hinauf eine sehr steile Holztreppe von dem sich darunter befindenden Geschoss führt, ist überaus schlicht, aber sauber. Nur ganz oben unter dem Dachgebälk, hat sich eine Spinne eingenistet, von den dort arbeitenden Menschen liebevoll Johnny getauft, die unermüdlich ihre weggefegten Netze wieder und wieder neu gesponnen hat, bis man es schließlich aufgab und den kleinen Untermieter gewähren ließ. Bis auf eine mit Heu gefüllte Matratze samt Kissen und einer Decke, die ab und an für Ruhephasen genutzt werden, ist die winzige Dachkammer leer.

    Die drei Fenster des ersten Stockwerkes darunter, eines an der Frontseite und zwei weitere an der benachbarten Häuserseite, die an der zweiten schmal zulaufenden Straße des Häuserecks liegt, sind deutlich größer als das Dachgeschossfenster und werden auf beiden Seiten von Läden aus schönem, rötlichen Lärchenholz umrahmt. Das Geschoss dient in erster Linie als Vorratsraum für haltbare Zutaten, wie beispielsweise ganz und gemahlene Nüsse und Honigtiegel die in stabilen Holzregalen und verschieden großen Holzkisten ruhen, weswegen zumindest die beiden Fensterläden an der langen Häuserseite in der Regel geschlossen sind, um nicht allzu viel Licht und Wärme hineinzulassen. Außerdem dient der Raum als Abstellplatz für nicht regelmäßig genutztes Arbeitsmaterial, beispielsweise Ersatz-Brotschaufeln, Rattankörbe, Gärkörbe aus Stroh oder Holzschliff, Schüsseln und Krüge und stapelweise sauber gebleichte Leinentücher. Eine steile Holztreppe führt aus der Backstube im Erdgeschoss hier herauf und noch deutlich steilere Stufen hinauf in die Dachkammer.

    Oben an der Außenfassade zwischen dem Erdgeschoss und erstem Stockwerk, genau an der spitzen Häuserecke, ragt eine dunkle Eisenstange hinaus auf die Straße, die von weiterem dünnen, sich spiralig schnörkelig windendem Eisen verziert ist. An ihrem Ende prangt an zwei kurzen Eisenkettchen eine Brezel aus wetterfestem, starkem Holz, die von beiden aufeinander zulaufenden Straßen schon aus weiter Entfernung gesehen werden kann und den Vorbeigehenden den Standort der Bäckerei mitteilt.


    Der Eingang zur Bäckerei wird geschützt durch eine aus beständigen Eichenholz-Latten gezimmerte, ganz einfache Eingangstür in einem Rahmen aus dem gleichen Eichenholz. In den warmen Jahreszeiten steht diese stets einladend nach innen und zur rechten Seite hin offen, um für die intensive Wärme der Backstube raus und frische Frühlings- oder Sommerluft hinein zu lassen. In der kalten Jahreszeit geschlossen, hält sie die dann willkommene Wärme größtenteils im Inneren der Bäckerei.

    Tritt man durch die aus Eichenholz gezimmerte Eingangstür, findet man sich sogleich in dem einzigen Raum des Erdgeschosses, der Backstube, wieder. In der Wärme, die einem sofort beim Betreten der Bäckerei entgegen schlägt, wird stets der Geruch von frisch gebackenen Broten und Brötchen mitgetragen. Nur wenige Besucher, die eintreten, können dem widerstehen und nur die wenigsten verlassen die Backstube, ohne nicht zumindest ein Brötchen in der Hand zu halten. Neben Hefe riecht es außerdem von Tag zu Tag verschieden nach Nüssen, Rosinen, Honig, Zwiebeln und diversem Korn. Feine Nasen können auch ab und an den Geruch von aufgehendem Sauerteig und des geschürten Holzfeuers im Ofen ausmachen. Tritt man am Abend ein, duftet es wahrscheinlich schon nach Seifenlauge vom Wischen der Böden und Schrubben der Tische und Knettröge.

    Insgesamt drei Fenster aus schönem, klarem Glas, ein kleines direkt links neben der Eingangstür und zwei weitere an der Längsseite des Hauses, lassen das Sonnenlicht in die Backstube dringen. Der Boden der gesamten Stube ist mit fliesenartigen, aber in ihrer natürlichen Form belassenen Steinen bedeckt. Während der vordere Bereich stets sauber gefegt ist, findet man im hinteren Bereich, besonders an den Knetwannen immer wieder eine Staubschicht feinsten Mehles. Es wird sich aber darum bemüht, diese nach getaner Arbeit unverzüglich zusammen zu fegen.


    Nur einen guten Schritt von der Türe aus benötigt man, um an den Verkaufstresen der Bäckerei heranzutreten, dem einzigen Element, das zugleich auch der Raumaufteilung dient. Die schöne alte Holztheke ist mit einfachen, aber hübsch anzusehenden, geschwungenen Schnitzereien verziert, die an die Form von Brezeln erinnern. Linkerhand knickt die Theke nach etwa eineinhalb Schritt in einem rechten Winkel ab bis sie auf die Wand der Häuserfront trifft. Hinter diesem Stück Tresen ist bis zur Längswand ebenfalls ein guter Schritt Platz, um sich zu bewegen. An der Wand selbst sind Regalbretter angebracht, um Brote und andere Backwaren den Kunden zu präsentieren. Auf der Theke stehen in der Regel drei runde, aus Rattan geflochtene Körbe mit ofenfrischen Brötchen. Der Tresen lässt rechterhand einen etwa einen Schritt breiten Durchgang, durch den man in den dahinter gelegenen Bereich gelangt, in dem es mit seinen vielen Utensilien, Knettrog und Arbeitsflächen recht beengt wirkt. An der linken Wand, etwa einen Schritt von der Theke entfernt, steht ein kleiner Tisch umrahmt von vier schlichten Stühlen.

    Im hinteren linken Teil der Backstube führt eine steile Holztreppe ins darüber liegende Geschoss, das als Vorrats- und Lagerraum genutzt wird. Unter dieser Holztreppe ruhen ordentlich gestapelt die Buchenscheite, die als Feuerholz zum Beschicken und Nachfeuern des Holzofens dienen. Der Ofen an der kurzen Wandseite der Bäckerei ist aus Schamottensteinen gemauert. Da die Schamottenschicht gut durchgeheizt werden muss und auch über mehrere Tage nicht auskühlen darf, wird die Backstube recht schnell, stark und dauerhaft erwärmt, so dass die Arbeit in der Regel schweißtreibend ist. An der Raumdecke direkt vor dem Ofen sind horizontal zwei Eisenstangen angebracht, auf denen eine große und eine kleine Brotschaufel ruhen. Direkt neben dem Ofen führt eine ebenfalls aus Eichenholzlatten gezimmerte Hintertür hinaus auf den kleinen Hof.

    In der Mitte des Raumes steht ein großer, hölzerner Knettrog für die Teigherstellung, der ebenfalls zwei kleinere Knetwannen aus Holz dienen, die bei Bedarf an beliebiger Stelle aufgestellt werden können. Daneben befindet sich ein standfest aufgebockter, gespaltener Baumstamm, auf dem der fertige Teig geknetet, unter Umständen gerollt, und in Form gebracht oder portiert wird. Für ähnliche Arbeiten, die weniger Kraftanstrengung benötigen, steht eine lange Arbeitsplatte entlang der rechten Wand zur Verfügung. Auf dieser steht auch eine metallene Balkenwaage, zum Abwiegen der Zutaten. Über der langen Arbeitsfläche sind an der Wand einige Regale angebracht, auf denen eine Menge Gärkörbe aus Stroh oder Holzschliff in verschiedenen Größen und Formen stehen sowie Schüsseln, Becher, Krüge, Leinentücher und zwei Handmühlen. An einer an der Wand befestigten Latte hängen an Haken diverse Löffel, Schöpfkellen, Schaber und Pinsel.


    Durch die Eichenholztür neben dem Steinofen gelangt man auf den kleinen, etwa vier Schritt breiten Hinterhof, der sich in seiner Länge rechterhand auch bis hinter das Wohnhaus und daran entlang zieht. Umrahmt wird der Hof von dem kleinen Anbau des Wohnhauses, der früher als Gesindehaus diente und bei dem es sich nun um das Wohnhaus der Witwe Gylsten handelt. Seine Längsseite wird durch die weißen Häuserwände zweier Nachbargebäude getrennt und linkerhand zur Straße hin von einem schmiedeeisernen Tor zwischen den Gebäuden. Der Hof selbst ist mit ebenfalls von ihrer Form her naturbelassenen Steinen gepflastert, zwischen denen sich hartnäckig Gras und Moos festgesetzt haben, was dem Hof die Kühle nimmt und ansprechend anzuschauen ist. Auf dem Hofstück direkt hinter der Bäckerei, nur zwei Schritte von der Hintertür entfernt, findet sich ein kleiner, etwa zwei Schritt langer wie breiter Schuppen im Fachwerkstil samt Spitzdach, der beinahe aussieht wie eine Miniaturausgabe des Bäckereigebäudes. Darin finden sich Putzutensilien, Gartengeräte und Kram, der sonst nirgends wirklich gebraucht wird. Neben dem Schuppen steht ein länglicher Tisch mit einer Bank und zwei Stühlen aus wetterbeständigem Holz. Nur ein kleines Stück weiter zieht sich entlang der Hauswand des Nachbargebäudes ein Blumen- und Gemüsebeet, ehe der Anbau den Hof abschließt.



    Das Wohnhaus


    Gleich linkerhand an die Bäckerei schmiegt sich ein Fachwerkhaus, das bisher stets von dem Eigentümer der Bäckerei bewohnt wurde und wird. Über den Hof der Bäckerei sind die beiden Gebäude miteinander über Hintertüren verbunden.


    [Beschreibung folgt…]





    Anzutreffende Charaktere


    Spielercharaktere (SC):


    Aneirin Gerdenwald (geb. Grünglanz 487 FZ)

    Er ist etwa 1,85 Schritt groß und von inzwischen muskulöserer Statur. Seine Haut ist eher hell und die Augen sind von einem stechenden Smaragdgrün. Das blonde, gut schulterlange Haar trägt er während der Arbeit in der Bäckerei meist zu einem (geflochtenen) Zopf zusammengebunden.


    Nichtspielercharaktere (NSC):


    Falk Bachental (geb. Eisfrost 498 FZ)

    Bäckergeselle der Bäckerei Gerdenwald. Falk ist etwa 1,82 Schritt groß, hat kurzes, hellbraunes Haar und perlgraue Augen.