Beiträge von Lyall

    "Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen. "

    - Immanuel Kant




    Ein paar Tage nach Jul 521



    Verdutzt blickt die Wargin auf den nur ein paar Sekhel messenden Mann, auf den warmen Steinen der Feuerstelle liegend, hinab.
    Ihr Herz hatte einen entsetzten Aussetzer getan, als er - überstützt vor ihr zurückweichend - dem Feuer zu nahe gekommen ist, dann unsicheren Schrittes herumgewankt war (auch da ist sie nicht vollends überzeugt gewesen, ob er nicht doch noch in das wärmende aber auch durchaus gefährliche Feuer fallen würde und hatte sich innerlich schon darauf vorbereitet ihn mit der bloßen Hand aus den Flammen zu fischen), nur um schlussendlich recht seelig schnarchend vor ihr niederzusinken.

    Zumindest wird er die Nacht überleben, ist seine kleine Hand, welche Lyall kurz berührt hatte, doch erstaunlich warm gewesen. So hofft die Wargin auch, dass der Rest sich hatte ausreichend erwärmen können. Um ganz sicher zu gehen zieht sie nun doch mit aller größter Vorsicht seine kleinen Stiefelchen aus, nicht ohne im selben Moment die feine Machart und absolute Winzigkeit zu bewundern, bevor sie auch die restlichen nassen Schichten Kleidung von ihm herunter pellt (aber natürlich nur so weit, wie es sich geziemt) und zum trocknen am Feuer ausbreitet.

    Mit ihren feingliedrigen Fingern befördert sie anschließend den kleinen Gast erneut sicher in sein provisorisches Lager und deckt ihn mit einem Zipfel des Geschirrtuches zu. Kurz sieht sie ihn an, beobachtet das Schattenspiel der Feuerstelle, welche über seine Gesichtszüge hinweghuscht, sich erneut fragend zu welchem besonderen Volk erwohl gehören möge,, bevor sie sich erhebt und... nach der Kanne greifen will, die derweil brav draußen am Brunnen ausharrt. So, wie möglicherweise auch die Eule... Nochmal möchte sie keine schmerzhafte Bekanntschaft mit dem großen Vogel machen. Einen leisen Stoßseuftzer von sich gebend, wendet sie ihren Blick ab, erhebt sich und holt ein Hühnerbein aus der Vorratskammer, welches (nebst anderen Hühnerteilen) als Suppenbasis gedient hatte und morgen... nein wohl eher heute... als Beilage dienen sollte. Doch Lyall wird es dem Vogel als „Tauschobjekt“ überlassen; schließlich hat sie diesen unleugbar um sein Mahl gebracht.


    Der Winter vor der Tür empfängt sie diesmal gefühlt mit noch eisigeren Fingern, sodass sie schnell den Kessel mit Wasser füllt, das Hühnerbein auf dem Brunnenrand ablegt und sich fröstelnd wieder in die Küche trollt. All dies ohne Eulen-Zwischenfall, obwohl die wachsamen Augen des Tieres Lyall die ganze Zeit beobachtet haben.

    So leise wir möglich plaziert die Drachenländerin ein eisernes Dreibein über dem Feuer, um den Kessel darauf abzustellen und kann nicht umhin bezüglich der beachtlichhen Lautstärke des Schnarchens zu schmunzeln. Wer hätte gedacht, dass solch ein kleines Wesen so laute Geräusche produzieren kann?

    Während sie darauf wartet, dass das Wasser zu kochen beginnt, lässt sie sich am breiten Küchentisch nieder und legt ihren Kopf auf einer Hand ab, bevor sie erschrocken zurück zuckt. Getrocknetes Blut hat sich in dünnen Bahnen krustig auf der Haut abgesetzt, doch die Wunde scheint aktuell nicht mehr zu bluten. Offenbar ist der Krallenhieb doch nicht so tief gewesen, wie ich anfangs gedacht habe., sinnt sie, plaziert ihren Kopf vorsichtshalber aber doch lieber auf der unversehrten Wange und begiebt sich in eine einigermaßen bequeme Position. Müdigkeit kriecht nun doch mit einer recht ausgeprägten vehemenz an Lyall heran und ihre Augen brennen und wollen nicht mehr länger offen bleiben, als nötig. Den Tee wird sie noch zubereiten und zu sich nehmen. Vielleicht kann sie ihrem Gast dann ebenso ein kleines Fingerhühtlein voll anbieten, falls er bis dahin erwacht sein sollte.

    Das leise Prasseln und Knacken der vom Feuer verzehrten Scheite, das rhythmische Schattenspiel der Flammen und das kakophonische aber doch befremdlich stetige Schnarchen lullen ihren Geist zusehends ein. Und mit sehnsüchtigen Gedanken zu ihrem Liebsten abdriftend dämmert die Wargin langsam ein.

    "Du kleines Wesen! Komm herein in meine warme Stube und iss mit mir!"
    - Feldmaus aus Däumelinchen von Hans Christian Andersen



    Ein paar Tage nach Jul 521



    Will sie eben noch auf die Worte des kleinen Geschöpfes „Nein, bitte nicht...“ in einer beschwichtigenden Geste ihre sie abstützende Hand heben, um ihm zu signalisieren, dass sie nicht vorhat ihn aufzufressen, wird ihr bei den nächsten erschöpft gehauchten Worten etwas ganz anderes klar. Sie soll ihn vor der Eule beschützen, die wohl ganz und gar nicht auf der Suche nach Mäusen gewesen ist. Kurz blitzt der irritierende Gedanke auf, seit wann kleine Leute unter dem Garten des Anwesens wohnten und den Bewohnern nie aufgefallen waren, doch die geistig gestellte Frage verpufft ebenso schnell wie sie gekommen ist. Die Wargin kann bei der kleinen, dunklen Silhouette der Gestalt keine genauen Einzelheiten erkennen, aber was definitiv nicht zu übersehen ist: Sie zittert am ganzen Leib. „Keine Sorge, die Eule wird jetzt nicht angreifen. Du brauchst keine Angst zu haben.“ Ob ihre Worte allerdings noch gehört werden bleibt offen, denn der kleine Mann (zumindest anhand der Stimme würde Lyall ihr Gegenüber dem männlichen Geschlecht zuordnen) kippt wie ein winziger gefällter Baum auf die Seite und scheint gerade seinen letzten Atemzug aushauchen zu wollen.

    Schlagartig ist die Wargin hellwach. „Hey! Hey, Kleiner! Verdammt...“ Hastig schiebt sie ihren Arm durch das Geäst, ohne auf Kratzer und Schrammen zu achten, angelt mit spitzen Fingern vorsichtig nach dem kleinen Körper. Sie birgt ihn vorsichtig in der Faust ihrer Rechten, versucht seinen herab baumelnden Kopf nirgends anzustoßen oder seine Extremitäten zu verletzen, als die Eule erneut schreit und sich offenkundig um ihre Beute betrogen fühlt. Die Wargin kann hören, wie der Raumvogel zornig seine Federn schüttelt, doch es kümmert sie gerade nicht weiter. Ihre ganze Aufmerksamkeit gilt dem ohnmächtigen Geschöpf.
    Rasch und so behutsam wie möglich wickelt sie ihn in einen Mantelzipfel, kickt Schnee über das vergehende Feuerchen und sprintet in Richtung Küche los. Sie hofft ihren Passagier nicht unnötig hart durchzuschütteln und ist bemüht die gröbsten Stöße abzufedern, hält die Drachenländerin ihn doch so vorsichtig sacht, als wäre ein kleiner Vogel in ihrer Obhut.

    „Gleich sind wir im Warmen. Halte durch!“, spricht sie wahrscheinlich gerade mehr zu sich selbst auch, um ihren rasenden Herzschlag zu beruhigen.
    Er würde nicht sterben.
    Nicht hier.

    Nicht jetzt.

    Nicht noch jemand!
    Der Weg ist nicht weit, aber er kommt ihr gerade unglaublich lang vor. Dann schiebt sich der Brunnen in ihr Blickfeld und ihr Herz macht einen erleichterten Satz, sind sie beide gleich im Warmen!
    Plötzlich wird ihr Kopf von einem federummantelten Sack Steine getroffen, der zu allem Übel auch noch Krallen hat, welche sich tief in ihre rechte Wange bohren. Erschrocken schreit die Wargin auf, kommt ins Straucheln und verliert das Gleichgewicht. Ihr Körper reagiert schneller, als sie überhaupt zu denken vermag und rollt sich instinktiv zusammen, um die fragile Fracht zu schützen. Zusammengekauert zu einer Kugel rutscht sie die letzten Schritte bis zum Brunnen und schlägt dort dumpf mit dem Hinterkopf an. Kleine helle Kreise tanzen kurz vor ihren Augen eine Welle aus Übelkeit wogt in ihr hoch und ein halb unterdrückter Schmerzlaut entringt sich ihrer Kehle. Einen kurzen Moment liegt sie schief an den Brunnen gelehnt, bevor ihre Sicht sich klärt und die Übelkeit verebbt. Dann suchen ihre Augen auch schon nach dem Angreifer und entdecken ihn rasch auf einem nahegelegenen Baum. Die Eule hat sich nicht einmal die Mühe gemacht sich zu verstecken. Die Wargin kann die Wut und Verzweiflung bis zu sich herüber spüren; der Vogel würde erneut angreifen. Offenbar ist sein Hunger so groß, dass er alle Vorsicht fallen gelassen hatte und zum Angriff übergegangen ist. Sie kann das Tier verstehen, aber besonders glücklich ist sie mit dessen Reaktion nicht. Doch verscheuchen kann sie ihn auch nicht, sind ihr doch gerade ''die Hände gebunden''.
    Dann wird ihre Aufmerksamkeit von der Eule abgelenkt oder besser gesagt: zu den Wunden hingelenkt, die Lyalls Wange und Hinterkopf davongetragen haben. Ein unangenehmes Brennen und Pochen breitet sich aus und es würde bestimmt schlimmer werden. Doch das erinnert sie ebenso an den Mann in ihren Händen. Hastig öffnet sie ihren Griff, späht zwischen ihre Hände und den Mantelfalten: er atmet noch. So weit, so gut.

    Die Eule nicht mehr aus den Augen lassend, schiebt Lyall sich in eine aufrechte Position. Auch der Vogel hält die schwarzhaarige Frau mit seinem Blick gefangen, folgt den Bewegungen mit seinem irritierend beweglichen Kopf. Langsam umrundet die Wargin den Brunnen, schätzt aus dem Augenwinkel die Distanz bis zur Küchentür ab und rennt erneut mit gesenktem Kopf los. Sie kann die Eule im Flug nicht hören, dafür muss diese schon sehr nahe kommen und auf noch einen Krallenhieb verzichtet sie gerne.
    Und tatsächlich: einen Angriff startet die Eule noch und eher aus Instinkt heraus zieht Lyall ihren Kopf noch etwas tiefer, sodass die gebogenen Krallen sich nur kurz schmerzhaft in ihrem Haupthaar verfangen, ehe sie in den schützenden Türrahmen der Küche taucht und im nächsten Moment auch schon darin verschwunden ist. Vielleicht ist die Eule auch schon zu erschwächt gewesen, um erneut solch einen harten Treffer zu landen, doch die ehemalige Magd des Anwesens will es auch gar nicht wirklich herausfinden.


    Mit zwei schnellen Schritten hastet sie zum Feuer herüber, welches die Scheite bereits fröhlich verzehrt, legt noch einen nach und testet dann mit ihrem Handrücken, in welchem Abstand zum Feuer sie ihren Passagier absetzen kann. Es soll trotz Feuer nicht frieren, aber er soll auch nicht anfangen zu kokeln.
    Als Lyall die für sie korrekte Strecke zum Feuer hin ausgemacht hat, legt sie den kleinen Körper vorsichtig dort ab. Doch so allein auf dem nackten Stein will sie ihn nicht lassen. Kurz überlegt sie, wie er am besten zu betten wäre und entscheidet sich dann für ein Brotkörbchen mit flachem Rand, in das sie ein Geschirrtuch hineinlegt. Ein Ende rollt sie auf, damit sein Kopf höher zu liegen kommt, wie der Rest und als er darin gebettet ist, kniet die Wargin sich vor die Feuerstelle und beginnt vorsichtig seine Arme von den Händen an zu massieren, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen.
    Erst jetzt hat sie Gelegenheit ihn genauer anzusehen. Seine Haut ist fast ebenholzartig schwarz gegen ihre weißen Fingerkuppen, welche annähernd seinen ganzen Arm bedecken können und auch das Haar ist dunkel und wohl leicht kraus. Genau kann sie es nicht erkennen und sie wagt nicht seinen Kopf zu bewegen, geschweige denn die klamme Kleidung oder die winzigen Stiefel von seinen Füßen zu entfernen. Zu groß ist die Angst, dass am Ende nicht die Kälte, sondern ihre Hände sein Ende bedeuten könnten. Genau weiß sie jedoch, dass solch eine dunkle Haut noch nie zuvor unter ihre Augen gekommen ist, aber es wundert sie auch nicht weiter, denn so ein winziges, menschenähnliches Geschöpf ist ihr ebenso noch nicht untergekommen. Sie glaubt weiterhin nicht, dass es eine Fee ist, doch was dann? Wohnt tatsächlich ein kleines Volk unter dem Anwesen, welches sich so gut zu verstecken vermag, dass sie selbst als Wolf noch nie eine Spur von ihnen hatte wittern können? Auskunft könnte ihr sicher das Buch über die Völker von Roha erteilen, welches sie vor einiger Zeit im Bücherregal des Salons hatte erspähen können oder natürlich Aurian. Aber sie wagt nicht ihren Schützling zu verlassen und das Buch oder Aurian aufzusuchen.

    Und so schiebt sie ihn in seiner ''Bettstatt'' doch noch etwas näher an das Feuer heran, massiert weiter das Leben zurück in seine Glieder. „Komm schon, kleiner Herr. Hörst du mich? Du musst aufwachen!“, spricht sie ihn an und kann die wachsende Verzweiflung in ihrer Stimme nicht ganz unterdrücken. Das Blut, welches dabei von ihrer Wange herabtropft, ignoriert sie geflissentlich. Darum, sowie um die Wunde an ihrem Hinterkopf, wird sie sich später kümmern.

    "From the very jaws of death I have escaped to this condition."

    - Lucretius



    Ein paar Tage nach Jul 521



    In die Stille ihrer Kammer hinein seufzend presst Lyall die bereits geschlossenen Augenlider noch fester aufeinander, als könnte sie damit den ersehnten Schlaf herbeizwingen. Doch wie schon die Stunden davor tut sich nichts. Ihr Körper und Geist sind bis auf das Äußerste erschöpft, sie fühlt sich ausgebrannt und so unsagbar leer… und doch will der erholsame Zustand des Schlafens nicht über sie kommen. Es ist ein seltsames Gefühl, als läge sie auf dem Wasser (nicht in ihrem Bett) und der Schlaf wartet geduldig auf sie, dort, am Grund. Aber so sehr sie sich auch abmüht, strampelt und verzweifelt versucht zu tauchen, schafft sie es nicht hinabzugleiten, treibt ihr Körper weiterhin unbeeindruckt auf der Wasseroberfläche als wäre er aus Kork.
    „Zum Dunklen noch eins! Jetzt schlaf, bei Ea‘s grünem Blut!“, schimpft die Wargin zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch, während sie zum wiederholten Mal die Bettdecke aufschüttelt, das Kopfkissen richtet, sich an beruhigenden Atemübungen versucht (die sie nur noch mehr zur Weißglut treiben), die Augen schnell hintereinander öffnet und schließt, um diese müde zu machen.
    Vielleicht lässt es sich auf der linken Seite besser schlafen, oder doch rechts?
    Nein…
    Bauchlage?
    Nein…
    Dann doch erneut auf den Rücken…
    Oder ist es auf der rechten Seite doch bequemer gewesen?
    Wenn sie ehrlich zu sich selbst ist kommt ihr gerade alles unbequem vor und doch sehnt sich ihr Körper so sehr nach der horizontalen Lage auf der Bettstatt. Gedankenverloren starrt Lyall auf das verzerrte milchigtrübe Viereck, welches das gedämpfte Mondlicht auf die dem Fenster gegenüberliegende Wand zeichnet. Ein paar Minuten liegt sie so, dem Schlaf noch eine valide Chance einräumend sie mit seiner Anwesenheit zu beehren, bevor die Drachenländerin doch wieder grummelnd in die Vertikale wechselt. Die Beine aus dem Bett schwingend und kurz ob des kalten Bodens zusammenzuckend steht sie auf, wirft sich ihren dicken Wollmantel über die Schultern und angelt im Vorbeigehen nach ihren Stiefeln sowie dem Schlüsselbund des Anwesens im kleinen Vorraum des Gesindetraktes. Ein Melissentee wird hoffentlich ihren angespannten Geist beruhigen und ihr den so dringend benötigten Schlaf bringen.
    Sprichwörtlich auf Zehenspitzen verlässt sie das Gebäude und hält die Schlüssel fest in der Faust gefangen, denn Avila soll nicht unnötigerweise auch noch um ihren Schlaf gebracht werden. Erst vor der Tür des Gesindehauses, wo Kälte und glitzerndes Weiß still auf Lyall warten, lässt diese das Schuhwerk auf den Boden sinken, schlüpft hinein und begibt sich noch etwas schlaftrunken auf den Weg in Richtung Küchentrakt. Feiner Nebel ihres Atems tanzt zart um ihr Gesicht und sie zieht den flauschigen Mantel (ein Geschenk ihres Liebsten aus feinster Wolle von Gly-y-Defaid) automatisch enger um ihren Leib, damit die klammkalt tastenden Finger der Winternacht nicht so einfach nach ihrem noch bettwarmen Körper greifen können. Nichtsdestotrotz beeilt sich die ehemalige Magd die schwere Tür zur Küche aufzuschließen und ebenso hurtig hinter sich zuverriegeln, um die Kälte nicht nach Drinnen sowie die Restwärme der Küche nicht nach Außen gelangen zu lassen.


    Nur noch schwach glimmt ein im Vergehen begriffenes Häufchen Asche, doch zwei nachgelegte Scheite und ein paar kräftige Atemstöße später lecken die ersten Flammenzüngelchen hungrig nach dem trockenen Holz und ein goldener Schein breitet sich in der Küche aus. Mit der rechten Hand den Schlüssel in ihre Manteltasche gleiten lassend, greift die Wargin nach einem dünnen Kienspan, den sie am Feuer anzündet, um diesen auf dem Weg in den Keller als Lichtquelle zu benutzen. Die getrockneten Melissenblätter sind schnell in den Regalen gefunden, beschriftet Avila doch alles akribisch mit ihrer ordentlichen Handschrift und ein paar Herzschläge später ist Lyall auch schon wieder in der Küche, nur um nun festzustellen, dass der Wasserbottich gähnend leer ist. Ein an sich selbst gerichtetes genervtes Augenrollen kann sie nicht unterdrücken, während sie nach dem rußigen Wasserkessel greift. Schließlich ist es die Wargin gewesen, die einen Abend zuvor zu erschöpft gewesen war, den großen Vorratsbottich mit mehreren Ladungen Wasser aus dem Brunnen zu füllen, sondern hatte dieses Vorhaben nur allzu gern auf den nächsten Tag verschoben. Aber wer hätte auch ahnen können, dass sich diese Entscheidung so schnell rächen würde?

    So begibt sie sich erneut in die eisige Rauhnacht, stapft zum Brunnen herüber und setzt den Kessel auf dem Brunnenrand ab. Langsam und an vor Kälte steif knarrenden Seilen lässt die Drachenländerin den leeren Eimer in den schwarz gähnenden Schlund des Schachtes hinab, bis ein entferntes Platsch ertönt, sie am Zug des Seiles erkennt, dass sich der Eimer zu füllen beginnt. Ausgiebig gähnend wünscht sie sich wieder ins Bett, auch wenn dort kein Schlaf warten mag. Gedankenverloren beginnt sie gerade damit den schweren Eimer zu sich hoch zu ziehen, als ein seltsames Geräusch an ihre Ohren dringt. Abrupt stoppt das Seil, während sie lauscht und versucht die Quelle auszumachen. Doch es ist erneut still und nur die normalen Winternachtgeräusche zu vernehmen. Das Knacken von frostharschem Schnee, das widerspenstige Knarren des starren Astgeflechtes der Bäume im Garten sowie das leise Fiepen wachgewordener Mäuse, die in selbstgegrabenen Gängen unter der Schneedecke umher flitzen.

    Das Seil spannt sich also wieder, der Eimer kommt Schritt um Schritt weiter gen Brunnenöffnung empor bevor er erneut so ruckartig zum Stehen kommt, dass ein Teil des Inhaltes sich entleert und erneut mit der Wassersäule am Fuße des Schachtes vereinigt wird.

    Der Dunkle soll mich holen, da war doch etwas... Ihre Ohren zucken, bewegen sich hin und her, um dem Ursprung habhaft zu werden. Es klingt fast wie trockenes Laub, welches über den Boden geschleift wird, doch da ist noch etwas darunter. Gedämpfte Schreie einer... Eule?! Die Ohren fest auf das Geräusch fokussiert wird der Eimer eilig hoch gehievt und schwappend auf dem Brunnenrand abgestellt, bevor sie ihren Mantel enger um sich zieht und in Richtung Garten eilt.

    Je näher sie kommt, desto klarer wird, dass es sich um über den Boden schleifendes Gefieder handelt, welches einer recht großen Eule gehört. Wie vom Dunklen besessen flattert sie am Fuße des den Garten einfassenden Gebüsches umher, doch fliegt nicht weg. Ein seltsames Verhalten für solch einen großen Vogel, doch vielleicht kann er gar nicht abheben? Hängt er an etwas fest? Lyall ist nicht bekannt, dass im Garten Fallen für Wildtiere lauern könnten, achten alle Bewohner doch sehr genau darauf zum Beispiel keine Schnüre liegen zu lassen, in denen sich Getier verhäddern möge oder zu tiefe Wasserstellen, aus denen es kein Entkommen für Kleinstlebewesen gibt.

    Aus ihrem derzeitigen Winkel kann sie nur den breiten Rücken der aufgebrachten Eule erkennen und so nähert sie sich bedächtig der Szenerie.

    Das gefiederte Tier scheint wirklich sehr in sein Tun vertieft, bemerkt es die Wargin erst, als diese schon auf gut zwei Schritt herangekommen ist und nun beruhigende Worte an den Vogel zu richten versucht. Als die Eule die Wargin erspäht, flattert sie verärgert schreiend und... singend? auf den nächsten Ast eines der nahen Bäume, beäugt sie mit feurigen Augen und aufgeplustertem Gefieder. Zumindest scheint sie wohlauf, doch ihre Aufmerksamkeit ist noch immer auf die Stelle am Boden geheftet, denn sie macht keine Anstalten vor Lyall wegzufliegen. Im Gegenteil: Sie sieht eher aus, als würde sie wollen, dass Lyall verschwindet.

    „Immerhin bist du nicht verletzt.“, richtet die Wargin ihre Worte zum Baum hinauf, nur um im selben Atemzug anzufügen: „Aber was hast du da unten getrieben?“. Dass sie eben noch meinte Gesang zu hören... den Gedanken schüttelt sie ab. Die gefiederten Räuber der Nacht sind nun wirklich nicht für ihre feinen Stimmen bekannt.

    Näher an den Busch tretend rechnet die ehemalige Magd eigentlich damit eine dem Tode nahe Ratte zu finden, mit der die Eule anscheinend so ihre Schwierigkeiten gehabt zu haben scheint, doch dann wird sie einem schwachen orangenen Glimmen gewahr. Sich in die Hocke begebend kann sie zwischen den dicken Wurzeln ein Loch mit ausgefransten Rändern sehen, in dem ein kleines Feuer zu brennen scheint. Verwirrung macht sich auf ihrem Gesicht breit. Mäuse und Ratten braten normalerweise nichts über offenem Feuer und an spontane Selbstentzündung des Wurzelwerkes kann und will sie nicht glauben. So stützt sie sich mit ihrer Linken im Schnee ab, hält mit der rechten den Mantel zu und presst ihren Kopf mit angezogenen Ohren so weit es ihr eben möglich ist in das Geäst. Was sie zu sehen bekommt, zumindest mit ihrem rechten Auge, ist ein Häuflein brennendes Heu und Sämereien, doch das wird den Vogel wohl kaum so rasend gemacht haben, dass er nun schon wieder zu schreien beginnt.
    „Ja, ja... gib Ruhe. Ich gehe ja schon wieder... such deine Maus... nur weiter, will sie eigentlich sagen und mit einer Hand voll schnee das Feuerchen löschen, doch ihr bleiben die Worte im Hals stecken. Ein kleines Gesicht schiebt sich vor die Öffnung des Lochs, blickt sie dabei direkt an. Es ist kein Irrlicht, keine Fee und auch sonst kein Wesen, welches Lyall meint zu kennen und so bringt sie nur ein verdattertes „Uh...äh...Hallo?“ hervor.

    ... reißen die schlechten Nachrichten einfach nicht ab

    ... will sich das Leben irwie nicht beruhigen

    ... bin ich verwirrt und ich hasse Verwirrung! :tipsy:

    ... wünsche ich euch einen schönen Tag und hoffe, dass es bei euch besser läuft <3

    Es gibt keinen Schmerz, dessen Grenzen sich nicht weiten lassen.

    Gabriel Burns – Folge 33 „Schmerz“




    Jul 521 - später Abend



    Schmale Bänder aus Dampf winden sich träge aufwärts in Richtung Zimmerdecke, wie eine fragile Prozession winzigster Wassermoleküle, die sich scheinbar zum Rhythmus einer unhörbaren Melodie tanzend empor erheben. Dennoch werden sie dieses gemeinsame Ziel nie als Verbund erreichen.

    Sei es die Störung durch Lyalls ruhigen, stetigen Atem, der den Zusammenhalt der gläsern durchscheinenden Partikel schreckhaft auseinanderreißen lässt oder ihre ganz eigene Entscheidung auf der Hälfte ihres Weges nun noch lieber mit einsamen Luftmolekülen eine Partnerschaft einzugehen, die Luft kurz weiter mit Feuchtigkeit zu schwängern, um sich dann erneut als winzige Wassertropfen auf den glatten, kühlen Oberflächen von Töpfen und Pfannen niederzuschlagen… schlussendlich werden die geisterhaft wabernden Gebilde zerstört und die Bänder zerfasern zu flüchtigem Nichts.

    Der Ursprung dieses Phänomens ist ein großer wassergefüllter Zuber, dessen heißer Inhalt in der feuchtwarmen Umgebung nur langsam abzukühlen beginnt. Unter der Oberfläche des milchig weißen Wassers schwimmen Wäschestücke, wie Bettlaken oder Kopfkissen und harren geduldig ihrer Reinigung. Eines der Laken hat es zumindest schon auf den Rand des Zubers sowie halb auf ein hölzernes Brett geschafft, um dort eigentlich von der Wargin mit einem Stück Seife und dem Wäschebleuel ordentlich bearbeitet zu werden. Allerdings liegt es dort schon - noch gänzlich unbehelligt von Seife und Schlagholz- seit geraumer Zeit, trocknet hier und da schon wieder leicht ein und wirkt dabei, wie die nachlässig abgestreifte Haut einer riesigen Schlange.


    Auf einem niedrigen dreibeinigen Schemel sitzend, den Oberkörper leicht vornübergebeugt und mit auf dem Rand des hölzernen Zubers ruhenden Armen, ist Lyall in der einlullenden Wärme der Küche eingenickt. Ihr Atem ist regelmäßig und leise, verrät damit etwas über die innere Ruhe, die sie gerade in ihren Träumen auskosten kann und ein angedeutetes Lächeln lässt auf einen schönen Moment hindeuten, den sie erneut durchleben darf. Tatsächlich träumt ihr Geist von glücklicheren Tagen, welche zwar zeitlich gesehen zum Teil nicht in allzu ferner Vergangenheit liegen, emotional gesehen dafür umso mehr; in unzusammenhängender Reihenfolge spult ihr Innerstes Bilder ab… ihr erstes , scheues Aufeinandertreffen mit ihrem wunderbaren Shida‘ya Cinaéd auf dem Blumenball, Aneirins und ihr Ausflug zum Perlenhafen, die wilde Hatz mit Kaney und Ragna durch das flirrende Schattenspiel des Larisgrüns, leuchtende Kaninchen zu Flötentönen tanzend, Avilas lachendes Gesicht abgewandt von der gleißenden Sommersonne, umspielt von den üppig blühenden Rosen des de Winter`schen Gartens, das Gesicht ihres Geliebten, umrahmt vom satten graugrün der Weide am Ufer des Ildorel… so als ob ihre Seele sich selbst daran erinnern muss, dass auch schöne Dinge auf Rohas weitem Rund warten, als ausschließlich Krankheit, Verzweiflung und Tod. Doch je mehr sie in den Schlaf übergleitet, sich ihre Muskeln weiter entspannen, desto lockerer wird wiederum ihr Griff um das Seifenstück. Allmählich gleitet es fort, sich aus der Umklammerung der Finger schleichend, hinab zur Wasseroberfläche strebend. Zwischen den Fingerspitzen verweilt es kurz, als wäre es unschlüssig, ob es den Sprung in das Wasser wagen soll, doch ein bald darauffolgendes platschendes „Blubb“ zeigt an, dass das Stück gepresste Sauberkeit die Wasseroberfläche durchbrochen hat. Die Ohren der Wargin zucken, als sie das Geräusch vernehmen und dieser lapidare Sinnesreiz unterbindet abrupt Lyalls weitere Reise in das Reich der Träume.


    Obgleich das Kaminfeuer die Küche mit einem blassen sanftgoldenen Schein überzieht, blinzelt die schwarzhaarige Frau mehrmals und ihre Augen müssen sich kurz an den schummrigen Schein gewöhnen. Einen Moment ist die Drachenländerin irritiert, als die mit fabelhaft unnatürlich grell gemalten Traumbilder in ihrem Kopf gegen die spröde Gegenwart des Hier und Jetzt kämpfen, jedes der Beiden nach der Vorherrschaft über ihr Bewusstsein strebend, doch schlussendlich siegt die glanzlose Gegenwart und lässt die freudigen Erinnerungen, wie durch auffrischende Winde fortgescheuchte Wolkenfetzen, unsanft zerreißen. Ein paar Herzschläge lang muss sich erst orientieren, doch schnell dämmert ihr, wo sie sich befindet und welcher Tätigkeit sie nachzugehen vorhatte. Ernüchtert und mit traurig herabhängenden Ohren seufzt Lyall tief, reibt sich mit einem Handrücken über die mit unschön dunklen Ringen verhangenen Augen. Ungelenk angelt sie im weißlich trüben Wasser des Bottichs nach dem aus ihren Händen entfleuchten Seifenstück und beginnt erneut mechanisch den vor ihr auskühlenden Leinenstoff zu bearbeiten, in den die kränkelnden Essenzen der vielen Kinder sprichwörtlich eingesickert sind.

    Wie ein unsichtbares Miasma, hatte sich die Krankheit an die Bevölkerung herangeschlichen, war still und unberechenbar durch die Stadt gekrochen, hatte vor nichts und niemandem Halt gemacht. Manche Völker waren gegen diese Krankheit immun, wie man nach einiger Zeit feststellte, doch auch die von der Roten Seuche verschonten Individuen litten und darbten, da auch sie die Drangsal und das Sterben von Freunden, Verwandten und Familienmitgliedern hilflos miterleben mussten. Anfangs war man zuversichtlich und voller Hoffnung gewesen, dass das Unheil schnell überwunden werden würde, war man doch schon mit so vielem in der Vergangenheit fertig geworden und vor allem, da die Anirani und sogar ein medizinisches Gebräu die Krankheit heilen konnten. Doch schließlich waren in immer kürzeren Abständen zunehmend mehr Personen erkrankt, als dass die Anirani mit ihrer Heilkunst hinterher kamen oder das Heilmittel für alle Notleidenden verfügbar gemacht werden konnte. Die Rote Seuche biss sich heimtückisch fest und schien gar nicht so schnell wieder das Weite suchen zu wollen, wie vormals erhofft. Wie eine ausgehungerte Zecke saugte sie die Stadt förmlich leer, sodass diese schlussendlich bar jeder Hoffnung und Zuversicht war. Hier und da entlud sich aufgestauter Unmut über die zu Beginn der Notlage vom Stadtrat getroffenen Vorsichtsmaßnahmen, wie das Tragen eines Tuchs über Mund und Nase, das Meiden von übermäßigen Kontakten oder auch das Verbot von öffentlichen Veranstaltungen und, damit einhergehend, auch das Schließen der Gasthäuser. Beispielsweise kochten die Gemüter eines Tages über und alles endete in einem Aufstand der Händler, da der Marktplatz zu großen Teilen geräumt und jegliche Stände, welche keine Güter des täglichen Gebrauchs anboten, ersatzlos verboten wurden. Doch der Großteil der Bevölkerung ging - wenn überhaupt - mit gesenkten Köpfen und tuchverhangenen Gesichtern durch die Gassen, vorrangig damit beschäftigt Abstand zu halten und sich selbst vor den üblen Winden zu schützen.


    Die mit winzigen Schaumbläschen überzogene Seife zur Seite legend und den Wäschebleuel kräftig einsetzend fällt ihr auf, dass es sich tatsächlich um Aurians Bettwäsche handelt, welche sie gerade in den Händen hält. Der säuberlich gestickte Buchstabe „A“ lässt daran keinen Zweifel. Infolgedessen taucht Varins Gesicht vor ihrem inneren Auge auf, kränkelnd und grau, dem Tode näher als dem Leben. Denn er ist es gewesen und keines der Kinder, dessen um Genesung kämpfender Leib von Aurian und ihr selbst mit vereinten Kräften in die Schlafstatt ihrer Freundin bugsiert worden war. Viele bange Siebentage hatte er dort verbracht, stets sorgenvoll überwacht von der Halbelbe, die ihn nur selten aus ihren grünen Augen ließ. Noch nie hatte Lyall den kräftigen Mann so zerbrechlich und schwach erlebt, ihre Freundin schon lange nicht mehr so verzweifelt. Ja, eine verzweifelte, tränenreiche und unsagbar zäh dahinkriechende Zeit war es die letzten Zwölfmonde durchaus gewesen, auch wenn diese Worte die vorherrschende emotionale Resignation und Erschöpfung nicht annähernd beschreiben können. Nur sehr langsam hatte sich der Zustand des blonden Mannes gebessert und er hatte letzten Endes ausgezehrt und matt, aber lebendig das Anwesen wieder verlassen können. Vielen der Kinder war dies nicht vergönnt gewesen und sie hatten ihre letzten Stunden im Anwesen verbracht, stetig umsorgt von allen dort verfügbaren Kräften, doch vergebens. Ihre kleinen von Hustenkrämpfen geschüttelten und vom Fieber erschöpften Körper hatten den Kampf gegen die Rote Seuche verloren, taten ihren letzten röchelnden Atemzug in den zitternden Armen einer der auf dem Anwesen Wacht haltenden Frauen.

    Lyall hatte die entsetzliche Erfahrung machen müssen wie es ist, ein sterbendes Kind in den Armen zu halten, Wellen der absoluten Hilflosigkeit gepaart mit Wut und Verzweiflung über sich hinwegwaschen zu lassen, bar jeder Hoffnung auf Errettung. Nun hat sie einen Einblick bekommen, was Aneirin mit Brianna damals hatte durchmachen müssen.

    Nicht, dass sie so vermessen wäre zu glauben, sie wisse nun, wie sich ein Elternteil fühlt, der sein eigen Fleisch und Blut sterben sieht. Aber der ungewollt gewonnene Eindruck genügt ihr, dass ein Teil ihrer Seele für immer tiefe Wunden tragen wird und jedes Mal ein kleiner Teil ihrer selbst dabei gestorben war.


    Kurz blinzelt die Wargin die erneut aufwallenden Tränen hinfort, fokussiert ihren Blick ein paar Herzschläge lang zwanghaft auf die grellorangenen Flammenzungen des Herdfeuers, welche geisterhaft verzerrte Schattenspiele über den Innenraum der Küche tanzen lassen, bevor sie sich wieder der Wäsche zuwendet. Mit rotgeäderten verquollenen Augen waren sie alle ihrer Arbeit nachgegangen, bis jede verfügbare Träne vergossen worden und die absurde Situation eingetreten war, dass sie alle - trotz tiefer Traurig- und Mutlosigkeit - nicht mehr weinen konnten. Weiterhin hatten sie nach außen hin versucht Zuversicht auszustrahlen, was ihnen wohl nur kläglich gelungen war. Aber konnte es ihnen jemand verübeln?

    Auch die Beziehung der Wargin zu ihrem Elben litt sehr, denn kaum hatten sie den freudigen Entschluss gefasst ihrer beider Leben zusammen auf Glyn-y-Defaid in trauter Zweisamkeit zu gestalten, hatte dieser Zukunft das plötzliche und in den Auswirkungen so heftige Auftreten der Seuche ein vorerst jähes Ende beschert. Die Habseligkeiten der Drachenländerin hatten damals allesamt auf einen Handkarren gepasst und waren auch schon sicher auf dem Schafhof angelangt. Doch bevor sie sich richtig einleben und die Anwesenheit ihres Geliebten nun tagtäglich genießen konnte, musste sie ihre Liebe und den Hof schon wieder überstürzt verlassen, um ihrer Freundin und den Kindern in Not zu Hilfe zu eilen. Dass sie nun erneut so lange getrennt von Cinaéd auskommen musste und ihm wiederum in seinem Heim keine Hilfe sein konnte, macht ihr schwer zu schaffen, auch wenn sie um die Notwendigkeit ihres persönlichen (in Anbetracht der vielen zu Beklagenden durchaus als relativ gering einzuschätzenden) Opfers Bescheid wusste. Doch ihr Herz beschwerte diese Last zusätzlich, ließ die Tage lang und die Nächte noch länger werden und der Umstand, dass sie Cin fast nur dann sah, wenn Sithech eines der kleinen Geschöpfe zu sich geholt hatte, machte alles schier unaushaltbar. Tiefe Sorgenfalten haben sich in das sonst so ebenmäßige Gesicht des Elben eingegraben, im roten Feuer seiner Haare blitzen mehr Silberfäden auf, als noch vor der dramatischen Seuche und sein Lachen ist nur noch eine von Lyalls schönen Erinnerungen.

    Ihr Griff um den Wäschebleuel wird fester und ihre Kiefermuskeln spannen sich an, als sie krampfhaft darum bemüht ist die Fassung zu wahren. Ihn so zu sehen riss ihr jedes Mal aufs Neue das Herz aus dem Leib, doch mehr füreinander tun als sich gegenseitig erschöpft und elend in die Arme zu fallen, mit dieser Geste beim Gegenüber zugleich Halt suchend und Trost spendend, hatten sie nicht zu vollbringen vermocht. Viel sprachen sie nicht, sondern konzentrierten sich auf die Gesellschaft des geliebten Wesens, welche endlich wieder in unmittelbarer Nähe warm und voller Leben zu spüren war. Und sollten sie doch leise Worte wechseln, so war die rote Seuche unvermeidlich auch in ihre Gespräche gesickert. Man erkundigte sich mit pochendem Herzen um das Wohlbefinden des Partners als auch der Freunde und Bekannten, inständig auf gute Nachrichten hoffend. Von Glück können beide sagen, dass weder die Bewohner von Glyn-y-defaid, noch des Anwesens Schaden erlitten haben und sie mit dem blanken Schrecken davongekommen sind. Die Drachenländerin betet jeden anbrechenden Tag zur großen Mutter, dass sie diesen unbeschadet übersteht und dankt gleichzeitig dafür, dass sie die vorherigen ohne Erkrankung überstanden hat. Dass sie eine Immunität, wie die Elben besitzt, kann Lyall sich nicht vorstellen. Aber offenbar sind die am Anwesen getroffenen, als auch ihre persönlichen Schutzmaßnahmen, bis zu diesem Zeitpunkt ausreichend gewesen, um nicht der Seuche anheim zu fallen. Und wohlmöglich wird die Wargin dies auch nicht mehr, da seit Blätterfall keine neuen Ansteckungen mehr zu verzeichnen waren und sich der schraubstockartige Griff um die Stadt tatsächlich langsam zu lösen beginnt. Damit begannen jedoch auch unweigerlich die langen Aufräumarbeiten der mehr oder minder provisorischen Krankenlager, bei denen Avila und sie noch Unterstützung durch die Mägde erfahren hatten, doch auch diese haben das de Winter`sche Anwesen bereits verlassen und es sind nur noch Kleinigkeiten zurückgeblieben, wie eben das Wäschewaschen sowie das Auskochen der Laken. Doch sobald die letzten Arbeiten verrichtet worden sind, wird die Wargin wieder zu ihrem Elben eilen, so schnell ihre vier Pfoten sie zu tragen vermögen. Bitterlich gelitten haben sie, dass weiß ein jeder der Beiden, auch wenn sie sich bei jedem Treffen Mut und Standhaftigkeit zugesprochen hatten, zeigte sich in ihren Blicken und Gesten eine tiefschürfende Verlustangst, die sich mit keinem körperlichen Schmerz vergleichen lässt.


    Ihre Freundinnen im Gegenzug verlassen zu müssen ist die Kehrseite der Medaille. Avila hat den Haushalt weiterhin gekonnt im Griff und die meisten schweren Arbeiten, bei denen Lyalls Arbeitskraft nötig gewesen waren, sind schon verrichtet, sodass die Wargin zumindest dahingehend keine Gewissensbisse haben muss. Schließlich wird sie immer herbeieilen, wenn ihre Freundinnen Hilfe brauchen, keine Frage. Der Abschied von Apfelgribs bereitet ihr da schon mehr Sorgen; das zarte Wesen hatte sehr unter ihrem ersten Fortgang gelitten.

    Das Wäscheholz seufzend zur Seite legend und den nassen Stoff mit beiden Händen greifend, taucht sie ein Stück des Lakens erneut unter, dort, wo sich ein kleiner Fleck hartnäckig im Gewebe festkrallt. Obwohl ihre Hände bereits müde und aufgequollen sind rubbelt sie eisern, bis der dunkle Umriss langsam heller zu werden scheint. Ja, müde ist sie bis in die Knochen, wie alle hier. Sie möchte neben Cin ins Bett fallen und für die nächsten Siebentage nicht wieder hervorkommen. Auch Aurian und Avila werden die nächsten Wochen sicherlich für Selbstfürsorge aufwenden müssen; beide gehen zwar tapfer ihrem Tagwerk nach, doch die Erschöpfung steckt auch ihnen in den Gliedern und wie sehr sehnen sich alle nach einer durchgeschlafenen Nacht ohne Unterbrechung durch das leise Wimmern eines kranken Kindes, dem röchelnden Husten derer, nach denen Sithech unnachgiebig griff oder einfach einen Schlaf ohne nervenaufreibende Alpträume… Bald wird sie mir ihrer Wäsche fertig werden, in ihre Kammer gehen und hoffentlich in einen tiefen, traumlosen Schlaf fallen. Einfach nur ein paar ruhige Nächte, Ealara. Für uns alle. Bitte erweise uns diese einfache Gnade…, sinniert sie, nicht ahnend, dass ein paar Stockwerke über ihr auch ihre Freundin eigenen Sorgen nachhängt, bevor auch diese ihr trügerisches Heil im Schlaf sucht.

    ... frohes Neues euch allen <3

    ... hoffe ich, das ihr alle gut reingerutscht seid, wünsche euch viel Gesundheit, Glück und Erfolg im neuen Jahr. Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass wir die Beschränkungen zumindest etwas baldigst los sein werden :upsido:

    Ich gestehe, ich erinnere mich nicht *schäm* Aber war auch nicht von Anfang an bei der WS dabei. Auf jeden Fall <3-lich Willkommen zurück und wäre definitiv schön, wenn du hier mitschreiben würdest. :blushsmile:
    Was war/ist Andariel denn für ein Char?

    Hallo Andariel und danke von mir schon mal für das Lob :flirt:


    Fimo stinkt tatsächlich nicht mehr. Also ich habe extra alles an Fenstern aufgemacht was ging, da ich den Stinke-Aspekt auch in Erinnerung hatte, aber es hat nix gemüffelt. Und eigentlich bin ich recht empfindlich, was Gerüche angeht *g*


    Lufttrocknende Modelliermasse hatte ich auch schon mal, aber die ist (wenn wir vom selben reden) recht grob und haftet schlecht an sich selbst. Aber meine Erfahrungen damit sind auch schon wieder uh... etwas länger her. Für Puppen gibt es ja extra Clay, auch in diversen Hautfarben. Habe mehrere im Endzustand als Bildchen bei Pinterest gefunden; die sind echt der Hammer. Aber das so hinzubekommen...

    Das mit dem Dratmodell hab ich auch gesehen, aber ob das in den Ofen muss weiß ich gar nicht.


    Mein nächstes Projekt mit Fimo soll Schmuck sein. Denn Anhänger an sich sind niedlich aber am Ende weiß man nicht, wohin damit. Und am Ohr sollte es eine guter Platz sein :angel:

    Werde im Urlaub mal versuchen dafür Zeit zu finden.

    *entstaub und feucht durchwisch*


    Anscheinend gerade alle schwer im RL beschäftigt.

    Inkl. mir selbst, traurigerweise :uglyrolleyes: Freue mich mega, dass WS wieder online ist, aber komme zu nix... Hoffe zumindest, es geht euch allen gut :grouphug:


    - fühl ich mich den ganzen Tag schon matschig und werde sicher nicht alt

    - bin ich bei Büchern in einen Downloadrausch verfallen und hoffe trotzdem, sie alle bald lesen zu können^^

    - habe ich die ersten paar Teile für mein Halloween-Outfit zusammen :uglycatch:

    Daraus schließe ich es gibt/gab ein Immerlande-LARP? :o


    Wie gesagt, richtig echt geworden. Gibt es von den Klamotten auch Bildchen? :uglycatch:

    Wow, was für gute Ideen. Richtig genial umgesetzt! Die Steine sehen auch voll echt aus; die Goldmarmorierung finde ich cool.

    Vor allem die Zähne und Homer haben es mir angetan.


    Shalhor: Der Simpsonsfan hat sich bestimmt mega gefreut!


    Niniane : Bei welchem LARP kamen die Zähne zum Einsatz? :na:


    Stini: Ja genau, Broschen hat man dasmals viel gemacht! Meine Mutter hatte als ich klein war Ballettschuhe und Rosenblüten gestaltet, die sie dann in einen herzförmigen kleinen ramen geklebt hat. Leider hat das auch schon das Zeitliche gesegnet; aber eher weil das Konstrukt zu Bruch gegangen ist (fiel vom Schrank)

    :tipsy:


    edit: Äh... bestimmt haben sich alle über die Fimo-Geschenke gefreut Shalhor . Da hab ich irwie bissi dumm geschrieben *facepalm*

    Ich gestehe, dass ich die Biene auch am liebsten habe. Vllt auch, weil es das erste Tierchen war, dass ich gemacht habe :blushsmile:

    Und die war auch recht leicht zu machen! Sie hat sogar einen kleinen Stachel :))


    Genau in den 80ern! Grundschulzeit! ^^ Naja, also es KÖNNTE noch funktionieren. Es trocknet zwar aus aber ich habe gehört, dass das recht lange dauert. Ich habe meine in einer Ziplocktüte untergebracht.

    Also wenn du es wieder mal hervorholst würde ich gern die Ergebnisse sehen wollen :angel: